Dorf-, Burg- und Mühlenfreunde Lage e. V.

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Dorfabend 2013

Beim diesjährigen Dorfabend in Lage informierten die Dorf-, Burg- und Mühlenfreunde über die „Franzosenzeit“, die in der Grafschaft Bentheim vor genau 200 Jahren zu Ende ging. Vorsitzender Jan Hermann Schlagelambers konnte dazu wieder etwa 120 Mitbürgerinnen und Mitbürger begrüßen.

Im 24. Februar 1795 besetzten französische Revolutionstruppen die Stadt Neuenhaus. Sie verfolgten Truppen des damaligen englischen Königs Georg III., der auch Landesherr der Grafschaft Bentheim war und zu den mächtigen Gegnern der Revolution gehörte. Die Ideen von „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ fanden in Neuenhaus jedoch keinen fruchtbaren Boden: Nach dem Abzug der Soldaten im Sommer 1796 wurde ein Freiheitsbaum, den niederländische „Patriotten“ errichtet hatten, unverzüglich umgehackt.

Nachdem sich Napoleon Bonaparte aus den Wirren der Revolution zum Kaiser emporgeschwungen hatte, kehrten die Franzosen 1806 zurück. Die Grafschaft Bentheim und die bis dahin selbständige Herrlichkeit Lage kamen erst zum Großherzogtums Berg, 1810 zum französischen Kaiserreich. Der Lager Rentmeister Jan Hendrik Zegers wurde zum Bürgermeister der „Mairie“ Neuenhaus/Lage ernannt. Misthaufen mussten aus den Straßen verschwinden, der Neuenhauser Stadtgraben wurde gereinigt und erhielt einen Zufluss von der Dinkel. Die Toten wurden nicht mehr neben dem Rathaus, sondern jenseits der Dinkel beerdigt. Die Verwaltung erfasste Hochzeiten, Beerdigungen und Geburten, junge Männer wurden eingezogen. Einige verloren 1812 als Soldaten der „Grande Armée“ ihr Leben. Der Feldzug nach Russland endete für Napoleon in einem Desaster. Nach dem Sieg der russischen, preußischen und englischen Truppen in der Völkerschlacht bei Leipzig zogen Kosaken im November 1813 in Neuenhaus ein.

100 Jahre später wurden in mehreren Grafschafter Gemeinden Denkmäler errichtet, die an den Sieg über Napoleon erinnerten. In jenen Tagen lernten die Kinder in der Schule „Frankreich ist unser Erbfeind“. Ein Jahr später begann der furchtbare 1. Weltkrieg, im dem 13 junge Männer aus Lage fielen. Erst nach einem weiteren Weltkrieg schuf der deutsch-französische Vertrag des Jahres 1963 die Voraussetzungen für ein friedliches, freundschaftliches Verhältnis der beiden Völker.

Beim Dorfabend informierten außerdem Mitarbeiter des Monumentendienst über den Zustand der Lager Wassermühle. Der Monumentendienst, eine Initiative der Stiftung „Kulturschatz Bauernhof“, ist beim Museumsdorf Cloppenburg angesiedelt. Der Dienst berät Eigentümer von historischen Gebäuden, weist auf notwendige Instandhaltungen hin und verfügt auch über Bestände an historischen Baumaterialien. Er wird durch die EU, das Land Niedersachsen und die Landkreise gefördert und kann  daher seine Dienstleistungen zu günstigen Preisen anbieten. Inspektoren des Monumentendienstes hatten vor einiger Zeit die Lager Mühle begutachtet. Ihr Fazit: Das Bauwerk ist prima in Schuss, man muss aber ständig auf Schäden achten, die zum Beispiel durch Feuchtigkeit oder Schädlingsbefall hervorgerufen werden.

Die Zeichnung im alten Rathaus von Neuenhaus entstand wahrscheinlich 1795/96. Ein französischer Korporal misst die Schrittlänge eines Soldaten: „Il manque un pouce“ (es fehlt ein Zoll).