Schulchronik von Lage - 1894 bis 1914

aufgestellt im Jahre 1894 durch Lehrer J. Götker

I.                 Abschnitt

Die Schulgemeinde bis zur Gegenwart

Das Dorf Lage liegt in dem Teil der Provinz Hannover, welcher am weitesten nach Südwesten reicht und den Namen Grafschaft Bentheim führt. Das Gebiet dieses Dorfes streift im Süden die holländische Grenze und wird von der Dinkel – Nebenfluss der Vechte – bewässert.

Zur Schulgemeinde Lage gehören außer dem genannten Dorfe noch preußisch Brecklenkamp und die Kolonate Bocht, Kalverlage und Boerwinkel in Grasdorf.

Lage bildet für sich sowohl eine politische Gemeinde als auch eine Kirchengemeinde. Das Dorf Lage gehört zum Kreise Grafschaft Bentheim.

Die noch vorhandene Ruine einer in uralter Zeit erbauten Burg hat gewiss, da sich sowohl Dienstmänner als später hörige Leute in der Nähe der Burg niederließen oder ansiedelten, die Veranlassung zu dem Entstehen des Dorfes Lage gegeben. Wann sie erbaut sein könnte, ist schwerlich zu bestimmen, vielleicht kann dieselbe im 9. Jahrhundert entstanden sein. Im 12. Jahrhundert ist schon nach Beiträgen zu einem Münsterschen Urkundenbuche von Hermann von Lage die Rede und wird erzählt, dass in einer unglücklichen Schlacht bei Ane unweit Hardenberg im Jahre 1227 ein Herr Goswinnus von Lage gefallen sei. Im 12. und 14. Jahrhundert wurde die Burg mehrmals belagert und zerstört, und vielleicht hat auch dieses dem damaligen Herrn von Lage, der nur eine Tochter hatte, die sich mit dem Ritter Albrecht von Eyl verheiratete, wohl Veranlassung gegeben, Lage mit allen Rechten und Gerechtigkeiten an den Bischof von Uetrecht, Jan van Arkel, im Jahr 1436, Sonntag nach Michaelis, zu verkaufen. Von dieser Zeit ist Lage bischöfliches Tafelgut, abgesondert von den übrigen bischöflichen Besitzungen, so lange durch einen eigenen Kastellan verwaltet worden, bis die weltliche Macht der Bischöfe von Uetrecht an den Kaiser Karl V. überging. Wie unter den Bischöfen, hatte Lage auch unter dem Kaiser und dessen Sohn Phillip II. die höhere, mittlere und niedere Gerichtsbarkeit. Als aber Phillip in dem Kriege mit den Niederlanden Geld brauchte und eben dieses Krieges wegen in hiesiger Gegend wenig Nutzen ziehen konnte, verpfändete er die Herrlichkeit Lage an Dietrich von Ketteler 1557 und gab demselben einige Jahre später als ein Pfandlehen. Der Krieg wurde mit wechselndem Glück geführt, bald zeigten sich Holländer, bald Spanier in dieser Gegend. Dietrich von Ketteler, und auch sein Schwiegersohn, der Graf von Croix, waren eifrige Katholiken und spanisch gesinnt. Nach dem Tode seiner Schwiegereltern konnte der Graf von Croix, weil die Spanier die Burg Lage im Jahre 1626 durch Kapitulation den Holländern übergeben hatten, und diese, als sie Lage in der Folge nicht halten konnten, die Burg in die Luft gesprengt hatten, die Erbschaft seiner Frau nicht in Besitz nehmen, und da er von dem Könige von Spanien die Pfandsumme ebenso wenig zurück erhalten konnte, als er imstande war das Pfandgut wieder zurück zu geben, wollte er seine Rechte an Lage recht gern einem anderen übertragen. Als er deshalb in Unterhandlung war mit dem Drosten von Twente, J. von Raesfeld, Herr von Twickel und sich von dem Prinzen von Oranien die Erlaubnis ausgebeten hatte, hier ins Land kommen zu dürfen, verkaufte er die Herrlichkeit Lage an eben genannten Herrn J. van Raesfeld. Die Kaufsumme betrug 20.278 Gulden.

Seit der Zeit haben die Nachkommen des Herrn von Raesfeld Lage bis zur französischen Herrschaft als eine freie und unabhängige Herrlichkeit besessen, die nie zu Deutschland gehört hat und über welche Holland oder die Provinz Overijssel sich nach der Erbbelehnung weitere Rechte nicht angemaßt hat. Unvermeidlich waren, nachdem die Provinz Overijssel dem Herrn von Raesfeld Lage übertragen hatte, Streitigkeiten mit dem gräflichen Hause Bentheim, sowohl der Grenze als sonstiger Gerechtsame wegen; doch sind diese Streitigkeiten zwischen dem Herrn von Lage, der zugleich Besitzer der Toornschen Güter im Kirchspiele Uelsen und kraft dieses Besitzes, wie auch als Drost von Twente landtagsfähig auf dem Bentheimschen Landtage war, zwischen ihm und dem gräflichen Hause am 21. Mai 1680 vergleichen, dass Lage zu Bentheim nie gehört habe, und dieser Vergleich ist am 31. Oktober 1687 bestätigt. Bis zur französischen Zeit hatte Lage ein eigenes Gericht. Der durch den Herrn von Lage ernannte Richter hatte sowohl freiwillige, als streitige, wie auch peinliche Gerichtsbarkeit, hernach aber entschwand alle Freiheit dieser Herrlichkeit und wurde Lage Neuenhaus beigefügt. Nachher nahm Hannover Besitz von Lage.

Der Name rührt wahrscheinlich von „niedrig gelegen“ (lääg – niedrig) her. Die anfängliche Größe beschränkte sich auf die Burg und deren Umgebung und die Zahl der Einwohner auf den Burgherren, auf die Dienstmänner und auf die hörigen Leute. Die Sprache war plattdeutsch. Bis zur Reformation waren die Leute katholisch, von dieser Zeit an gehörte der größte Teil zu den Protestanten. Von jeher war der Ackerbau der bedeutendste Erwerbszweig der Bewohner. Im Jahre 1626 ist die Burg zu Lage gesprengt. Im Jahre 1649 wurden durch eine Feuersbrunst 13 Häuser verheert. Hin und wieder werden im Haller Feld noch Scherben von alten Urnen gefunden.

Unsere Kirche liegt an der Nordseite des Dorfes. Das Fundament, die Einfassungen an Türen und Fenstern und das Gesimse des Daches sind von Sandstein hergestellt, während die Wände aus Ziegelsteinen massiv aufgeführt sind. Durch 12 große und kleine Fenster wird das Innere der Kirche hinreichend erhellt. An der Ostseite steht die Kanzel, an der Westseite die Orgel und in der Mitte hängt der Kronleuchter. Das niedrige (flache) Dach ist mit Schiefer gedeckt. Die Bänke haben einen mattgelben Anstrich und bieten für etwa 250 Sitzplätze. Auf der Mitte der Kirche steht der kleine Turm, in welchem 2 Glocken und ein Uhrwerk angebracht sind. Die Kirche ist im Jahre 1687 entstanden. Kurz vorher kam der Herr von Raesfeld, Besitzer der Herrlichkeit, dem Wunsche der Gemeinde, eine eigene Kirche zu besitzen, entgegen und erbat sich aus eigenen Mitteln nicht nur eine Kirche zu bauen, sondern auch eine Pfarrstelle, hierselbst zu errichten. Der Tod aber übereilte ihn, bevor er sei ne Pläne in dieser Hinsicht zur Ausführung bringen konnte. Die verwitwete Landdrostin von Raesfeld, geborene Amadea von Flodroff, wie auch ihre Tochter Sophia, verheiratet mit dem Grafen von Wassenaer, machte es sich zur Pflicht, das zu vollen­den, was der verstorbene Herr von Raesfeld nicht hatte ausführen können; und so wurde zu der Kirche zu Lage am 11. Juni 1687 durch Amadea von Flodroff der erste Stein gelegt. In den Jahren 1855 und 1856 ist die Kirche umgebaut: Das Gewölbe wurde erhöht, das Dach mit Schiefer gedeckt, in dem neuen Turm fanden jetzt 2 Glocken und ein Uhrwerk ihren Platz – früher war nur eine Glocke da. Außerdem erhielt die Kirche von dem Patronen 1856 eine neue Orgel geschenkt. 1887 schaffte die Gemeinde für die Kirche einen neuen Kronleuchter an.         

Der Gottesdienst wird noch wie vor alters in holländischer Sprache angehalten (1894), außer, dass an jedem ersten Sonntage im Monat des Vormittags deutsch gepredigt wird. Der Hauptpredigt liegt ein freier Text, vorzugsweise aus dem neuen Testamente zu Grunde, während am Nachmittage der Heidelberger Katechismus gehandelt wird; gesungen werden die holländischen Psalmen und Gesänge.

Die Prediger, welche an der Kirche zu Lage angestellt gewesen sind,  heißen:

1.    Johan Leewen von 1691 – 1696

2.  Henricus Colonius von 1696 – 1750

3.  Arnold van Remsdyk von 1750 – 1802

4.  Hein, von 1803 – 1812

5.  Himmelink von 1815 – 1819

6.  J. Meyer Lick von 1819 – 1820

7.  J. G. Slyter von 1821 – 1878

8.  M. Brink von 1879 -

Im Jahre 1852 schenkte der Herr von Lage 1000 Gulden zu einem Viehfonds für unsere Gemeinde. Von den Zinsen dieses Kapitals erhalten die Einwohner des Dorfes, wenn ihnen eine Kuh gestorben ist, eine bestimmte Summe ausgezahlt.

Im Jahre 1854 ist preußisch Brecklenkamp auf Verfügung des Königlichen Oberkirchenrates der Grafschaft Bentheim vorn 19.Juli 1854 und im Einverständnis der Königlichen Landdrostei zu Osnabrück mit dem Schulverbunde Lage vereinigt und zwar in der Weise, dass die Kinder aus Brecklenkamp erst mit dem vollendeten 9. Lebensjahre hier schulpflichtig werden. Zu derselben Zeit erhielten die Bauern Bocht, Kalverlage und Boerwinkel aus Grasdorf die Erlaubnis, ihre Kinder nach Lage in die Schule schicken zu dürfen.

Um die Mitte des 16. Jahrhunderts ist von 24 Lage’schen Häusern die Rede und zu der Zeit der Gründung unserer Kirche – 1687 – von 44, während 1871 sogar 72 gezählt wurden.

Durch die Anlage der Straße von Neuenhaus durch Lage nach Ootmarsum in den Jahren 1873 und 1874 hat sich der Verkehr in dem Dorfe bedeutend gehoben. In diesem Jahre (1894) ist hier eine Molkerei – Süß- und Butterfabrik angelegt.

Gegenwärtig sind in der ganzen Schulgemeinde Lage 91 Wohnhäuser vorhanden, nämlich in dem Dorfe selbst 73, in Brecklenkamp 13 und in Grasdorf 5; sie umfasst ein Gebiet von 1152,70 ha und hat 451 Einwohner. Außer 3 Kaufleuten und einigen Handwerkern – es wohnen hier 1 Müller, 2 Bäcker, 1 Schmied, 1 Schuster, 1 Tischler, 2 Drechsler, 3 Zimmerleute, 2 Böttcher und 4 Maurer – leben die meisten Leute vom Ackerbau; einige gehen hier auf Tagelohn, hauptsächlich in die Arbeit des Herrn von Twickel, und diese sind besonders im Winter in der Fortwirtschaft tätig. In Lage sind 3 Schenkwirte.

Die gegenwärtige politische Gemeinde von Lage bildet zugleich die Kirchengemeinde – etwa der siebente Teil gehört zu der katholischen Kirche in Neuenhaus; eine Familie ist jüdisch – sie umfasst einen Flächenraum von 602,60 ha und hat nach der letzten Volkszählung 339 Einwohner.

II.             Abschnitt

Die Schule bis zur Gegenwart

Über die ursprüngliche Schule in Lage fehlen alle Nachrichten. Bekannt ist aber, dass hier bereits im Jahr 1643 ein gewisser Meynert Laemann (Quelle: alte Schulchronik von Lage) als Lehrer tätig gewesen ist, und derselbe scheint hier wohl als erster Lehrer von dem Herrn Baron von Raesfeld angestellt gewesen zu sein. Im Jahre 1691 erhielt die Gemeinde von dem damaligen Herrn von Lage ein Schullokal angewiesen, dasselbe wurde 1791 erneuert.

Dieses Schulhaus ist noch jetzt vorhanden. Es  liegt an der Nordwestseite der Kirche und dient gegenwärtig als Lagerraum.

Da unsere Kirche im Jahre 1687 erbaut worden ist, so steht dieser Schulbau mit dem Kirchenbau in Verbindung. Das Schulvermögen wird auf 108 Gulden angegeben. Die Classis von Overyssei bemühte sich sehr, die Lehre der Reformation durch den Schulunterricht fortzupflanzen, sie bewirkt bei den Ständen der Provinz Overyssel, dass einige schlecht dotierte Schulstellen, namentlich zu Denekamp, Losser, Tübbergen, Weerselo und Lage 50 Gulden jährlich aus dem Rentamte des aufgehobenen Klosters Albergen, zugewiesen erhielten. Der damalige Lehrer zu Lage hat laut Quittung im Jahre 1661 diese 50 Gulden erhalten. Auch ist diese Summe bis zur franzö­sischen Herrschaft(1806) weiter gezahlt worden. Außerdem erhielt der Lehrer von jedem Kind wöchentlich 1 Stüver, die Kinder, die am Rechenunterricht teilnahmen, mussten das doppelte zahlen, für gesonderten Religionsunterricht an Konfirmanden erteilt, konnte der Lehrer auch wöchentlich 2 Stüver verlangen. Die Zahl der Kinder kann hier vor dem Kirchenbau nicht groß gewesen sein, da sich nur 24 Häuser verpflichtet hatten, jährlich 2 Stüver an die Kirche zu Uelsen zu zahlen, oder es muss noch eine größere Anzahl Katholiken hier gewohnt haben, die ebenso wie der Burgherr der Reformation abgeneigt blieben. Zwar war hier die Schule konfessionell gemischt, denn es besuchten sowohl die Kinder der Katholiken als die der Protestanten die hiesige einklassige Volksschule.

Der Schulunterricht erstreckte sich über die fünf Hauptstücke der christlichen Lehre, sowie über Lesen, Schreiben, Rechnen und Singen. Nach dem Schulreglement für Lage vom Jahre 1724 und 1754 hatte der Lehrer in Lage vom 1. September bis zum 1. Juni täglich morgens von 9 - 11 und nachmittags von 2 - 4 Uhr zu unterrichten, außerdem aber „mittwochs und sonnabends von 11 - 12 Uhr die größeren Kinder in der Religion zu unterweisen“. In den Sommermonaten Juni, Juli und August fiel der Unterricht aus. Die Kinder, welche die volle Zeit vom 1. September bis zum 1. Juni in die Schule gehen wollten, mussten in den ersten 3 Mona­ten wöchentlich 1 Stüver, in den folgenden 3 Monaten wöchentlich 6 Deute und die letzten 3 Monate wöchentlich 4 Deute bezahlen; in Summe also für die 9 Monate 1 Gulden, 9 Stüver und 2 Deute.

Sobald hier im Jahre 1687 eine Kirche gegründet wurde, hatte der Lehrer auch den Küster- und Organistendienst wahrzunehmen, was bis auf den heutigen Tag (1894) geblieben ist,  außer, dass der jetzige Baron von Lage mich (Lehrer Götker) gütigst von dem Küsterdienst entbunden hat, obwohl meine Anstellungsurkunde auf "Schoolmester, koster en organist“ lautet.

Von alters her haben die Herren von Lage sowohl den Prediger als auch den Lehrer angestellt. In alter Zeit hatten die Prediger und Richter (Schulreglement für Lage 1724) von Lage die inneren und äußeren Angelegenheiten der Schule zu ordnen. Von 1823 - 1884 hatte der königliche Ober­kirchenrat der Grafschaft Bentheim in Verbindung mit dem könig­lichen Konsistorium zu Aurich die Aufsicht über die Schule. Mit dem Jahre 1884 wurde die Schule unter die Leitung der Königlichen Regierung zu Osnabrück gestellt.

Im Jahre 1854 (++ alte Schulchronik von Lage) ist die Bauernschaft preußisch Brecklenkamp mit dem Schulverbande Lage vereinigt. Zur selben Zeit erhielten auch die so genannten Dinkelbauern -  Bocht, Kalverlage und Boerwinkel - die Erlaubnis, ihre Kinder nach Lage in die Schule schicken zu dürfen. Hierdurch wuchs die Zahl der hiesigen Schulkinder anfänglich und stieg auf 75, ging dann aber wieder bis zum Jahre 1884 immer weiter zurück und kam auf 34.

Als die alte Schule am alten Kirchhofe zu klein war, wurde im Jahre 1830 der Kirche gegenüber auf der Bleiche, durch den Patron von Lage eine neue Schule gebaut. Als sich aber herausstellte, dass dieselbe zu feucht war, wurde beschlossen, sie zu verlegen und ist somit die jetzige Schule im Jahre 1854 erbaut. Dieses Schullokal ist im Jahre 1885 umgebaut. Es wurde ein neuer Fußboden gemacht, der Eingang von der Nord- auf die Ostseite verlegt, eine neue Querwand trennt das eigentliche Schulzimmer von dem Torf und Steinkohleraum, der Schornstein wurde von der Mitte an die Westseite gerückt und die Bedürfnisanstalten hinter die Schule verlegt. Zu gleicher Zeit wurde der Turnplatz der Schule schräg gegenüber eingerichtet. Die katholischen Kinder in Lage haben von ihrer Kirchenbehörde die Erlaubnis hier vom 6.- 8. Jahre die Schule besuchen zu dürfen, um dann in die katholische Schule nach Neuenhaus zu gehen.

Das Diensteinkommen der hiesigen Schulstelle setzte sich früher zusammen aus den Einkünften des Schulvermögens, - es betrug 108 Gulden aus dem Schulgelde - jedes Kind zahlte wöchentlich 1 Stüver , aus Pachtgeldern, 21 Gulden, und aus freiwilligen Beiträgen des Herrn von Lage. Mit dem Jahr 1872 kamen die Zinsen von 20 Thalern und 25 Groschen Kapital (Abfindungssumme aus der Brecklenkamper Mark) hinzu. Im Jahre 1886 sind die gesamten Diensteinkünfte der reformierten Schulstelle zu Lage auf 981 Mark festgesetzt.

Der Lehr- und Stundenplan wurde im Jahre 1872 nach den Allgemeinen Bestimmungen für die Volksschule vom 15. Oktober 1872 entsprechend erweitert.

Als der Umbau der Schule(1885) stattfand, sind die alten Bänke, welche in 2 großen Gruppen miteinander verbunden waren, einzeln getrennt, eingekürzt und so aneinander gestellt, dass jede Bank die Rückenlehne der nächstfolgenden bildete. Die Bänke für die kleinen Kinder erhielten besondere Rückenlehnen. In den letzten Jahren sind nach und nach 6 neue Bänke hinzugekommen. 1885 sind für die Schule 2 Karten, Deutschland von Algermissen, Provinz Hannover von Handtke und Ehrlenholtz angeschafft, dazu kam eine Tafel: die deutschen Kleinvögel. 1888 kam ein neuer Schrank in die Schule. Lineal und Zirkel sind in diesem Jahre 1894 neu gekauft.

Im Jahre 1852 schenkte der Herr von Lage 1000 Gulden zu einem Schulfonds unter dem Namen: „Wassenaers Schulfonds“, aus wel­chem die Schulbedürfnisse (Bücher, Hefte usw.) der Kinder bezahlt werden sollten. - Als aber dieser Fonds nicht ausreichte, fügte der Pastor J. G. Slüyter anlässlich seines 50jährigen Dienstjubiläums dem Kapital noch 200 Thaler hinzu; und da die Katholiken damals etwa den vierten Teil der Bevölkerung von Lage ausmachte, schenkte er diesen 50 Taler.

Reihenfolge der Lehrer:

1. Hermannus Schrader        vom 5.November 1694 -         ?

2. Gerrit Martens                 vom 13. Dez.1705 - 1748

3. Jan Arend ten Bosch         vom 26 August 1748 - 1769

4. Jan Hendrik ten Bosch             vom 1.Sept.1769 - 27. März 1821

5. Jan Hendrik Bauer            vom 24. Sept. 1821 - 14.April 1826

6. Heinrich Zwitzers             vom 5.Mai 1826 - 16.Nov.1833

7. Hendrikus Verbeck Borggreve vom 24. Dez.1833 - 1.Dezember 1884

8. J.Götker                  vom 1. Dezember 1884 - 1.Mai 1913

9. H. Niederhelmann          vom 20.Juni 1913 – gefallen 11.9.1914

in Frankreich

10. Friedrich Schmidt vom 1. Mai – 1. Juni 1913 vertretungsweise.

(Später hinzugefügt)

Ludwig Sager                vom 2.6. 1913 – 1. April 1930

Heinrich Kip                      vom 2.April 1930 - 7.Juli 1965

Manfred Zander                 vorn 1. 8. 1965 - 20. 2. 1979

Wilhelm Snippe                 vom 22. Januar 1979 - 15. Juni 1988

Die Schule liegt fast in der Mitte des Dorfes. Sie ist gegenwärtig in guten Zu­stande. Die Wände sind sowohl an der Außen- als auch an der Innenseite weiß übertüncht. Sie ist 13,75 m lang und 7 m breit; das eigentliche Klassenzimmer ist 10,50 m lang und 6,35 m breit und 4,20 m hoch, der Rauminhalt beträgt demnach 280,035 cbm. Der Schornstein (Russisch Rohr) steht an der Westseite, hier hat auch der Ofen seinen Platz, vor diesem steht ein Ofenschirm. Der Fußboden ist aus Holz gemacht. Das Licht kommt durch 5 große Fenster von der Nord- und West­seite herein. Der obere Teil derselben lässt sich auf- und nieder ziehen, auf diese Weise kann das Schulzimmer sehr gut gelüftet werden; die beiden Fenster an der Westseite sind mit Vorhängen versehen.

In den Schulzimmer befinden sich: 1 Pult, 3 Wandtafeln mit einem Gestell für dieselben, 2 Schränke, 20 Bänke, mehrere Kleiderhaken, ein Spucknapf und ein Bild (Luther im Kreise seiner Mitarbeiter). Für Turnstäbe, Wassereimer, Besen, Spinnjäger, Staubjäger, sowie für Torf und Steinkohle sind am äußeren Eingange 2 Räume eingerichtet, diese sind durch eine Querwand von dem eigentlichen Schulzimmer getrennt.  Die Südseite unserer Schule grenzt an Even’s Haus, während die übrigen drei Seiten von dem 280 qm großen Spielplatze eingeschlossen sind.  Der Turnplatz liegt der Schule schräg gegenüber und ist 314 qm groß. Ein Schulgarten ist nicht vorhanden. Ich (Lehrer Götker) habe auf einem gemieteten Grundstücke eine Baumschule angelegt, wo die größeren Kinder in der Obstbaumzucht praktisch unterwiesen werden.

Zum Schulverbunde Lage gehören außer dem Dorfe noch preußisch Brecklenkamp und die Dinkelbauern in Grasdorf.

Die am weitesten von der Schule in Brecklenkamp wohnenden Kinder haben täglich einen Weg von 30 - 45 Minuten zu machen. Der hiesige Schulverband zählt 412 Einwohner; es nehmen gegenwärtig 76 Kinder am Unterricht teil. Die Schule ist einklassig. Der Schulbesuch ist regelmäßig; es wird sowohl im Sommer als auch im Winter in vollen Tagen unterrichtet. Der gegenwärtige Lehrer J. Götker ist zum Schiedsmann gewählt und solches ist von der Behörde bestätigt.

Die Bewohner von Lage reden plattdeutsch; etwa der siebente Teil ist katholisch. Die 2 Grenz-Aufseher sind lutherisch, daneben wohnt hier eine jüdische Familie; alle übrigen sind reformiert. Von alters her, sowie auch jetzt sind die Kinder am Nachmittag des Neuenhauses Kirchmesstages frei. Kaisers Geburtstag und der Sedantag werden in der Schule gefeiert. Die Schulfeier dauert gewöhnlich eine Stunde. Es werden den Kindern bezügliche Geschichten aus dem Leben unseres Kaisers, sowie aus dem Kriege 1870/71 erzählt, danach werden einige patriotische Lieder gesungen; geschlossen wird mit dem Gebet für Kaiser uns Reich. Besondere ortseigentümliche Spiele, Lieder, Märsche und Sagen sind nicht bekannt. Der Turnunterricht, sowie der Handarbeitsunterricht werden regelmäßig in je 2 Stunden wöchentlich erteilt. Handfertigkeitsunterricht für die Knaben findet nicht statt. Beim Unterricht in der Naturkunde findet das Lehrstück über Obstbaumpflege besondere Berücksichtigung. Fortbildungsschulen, Vorschulen, Kinderbewahrungsanstalten, Schulsparkassen, Schülerbibliotheken sind nicht vorhanden. Ein Spucknapf ist in der Schule aufgestellt.

Lange Zeit hindurch war das Haus zwischen der Kirche und dem Mühlenteiche die eigentliche Lehrerwohnung; als aber durch den Straßenbau des Müllers Wohnung - zwischen der Kirche und dem Kaufmann v. d. Bosch - abgebrochen werden musste, erhielt dieser die Lehrerwohnung. Der Herr von Lage kaufte nun für den Lehrer das Haus, welches Gerritzen’s Wohnung gegenüber lag und erweiterte den Garten hinter dem Hause durch eine Hecke an der Nordseite. Nachdem aber dieses Haus sehr baufällig geworden war, führte der jetzige Patron von Lage im Jahre 1893 daselbst eine neue Lehrerwohnung auf.

Der jetzige Schulinspektor heißt unser Pastor M Brink und der Kreisschulinspektor J. H. Nyhuis, Pastor zu Arkel.

 

III.         Abschnitt

Schulgemeinde und Schule von 1895 an

Da die Zahl der schulpflichtigen Kinder über 80 hinausging, wurde auf Anordnung des Herrn Kreisschulinspektors J. H. Nyhuis Michaelis 1895 die Halbtagsschule eingerichtet.  

Nachdem die hiesige Kreisbahn fertig gestellt war, machten die Schulkinder (Ober- und Mittelstufe) mit ihrem Lehrer und mehreren Erwachsenen aus Lage im Juli 1896 einen Ausflug mit derselben nach Bentheim.  Die Reise hatte um so mehr Interesse, als außer den meisten Kindern auch einige ältere Personen noch nie eine Eisenbahnfahrt mitgemacht hatten.

Im März 1897 verbreitete sich hier die Masernkrankheit so, dass der Schulunterricht auf Verfügung des Herrn Landrats 14 Tage ausgesetzt werden musste. Die Heilung der an den Masern erkrankten Kinder nahm einen ganz natürlichen Verlauf, so dass Sterbefälle nicht vorkamen.

Nach den Sommerferien 1897 sind 9 neue Bänke in der Schule aufgestellt. Im Frühjahr 1898 sind vor der Schule 4 junge Lindenbäume angepflanzt.

Am 1. Mai 1899 betrug die Zahl der schulpflichtigen Kinder 91.

Am 16. Juni 1899 ist mein Söhnchen Heinrich in der Dinkel ertrunken, er war drei Jahre alt. –

Am 1. Mai 1900 waren hier 94 schulpflichtige Kinder. Gegen Ostern 1901 wurden in der Schule 10 neue Bänke aufgestellt. Am 1. Mai 1901 betrug die Zahl der schulpflichtigen Kinder 87.

Zur Revision der hiesigen Schule waren am 12. Juli 1901 der Ober-Regierungsrat Herr und der Regierungs- und Schulrat Flebbe aus Osnabrück hier. Der Königliche Kreisschulinspektor Herr Pastor Nyhuis begleitete die Herren. Ostern 1902 betrug die Schülerzahl 94.

Am 14. Augsut 1902 war der Kreisarzt Quentin aus Bentheim zur Besichtigung der Schule und des Dorfes hier anwesend. Die Zahl der schulpflichtigen Kinder betrug Ostern 1903  94.  1904. Die Zahl der Kinder betrug 93. Am 21. Juni machte ich einen Ausflug nach Veldhausen. 1905. Auch dieses Schuljahr begann mit 93 Kindern. Die Zahl der schulpflichtigen Kinder betrug Ostern 1906  95. Ostern 1907 betrug die Zahl der Schulkinder 85.

Am 19. August 1907 war der Kreisarzt Quentin aus Bentheim zur Besichtigung unseres Dorfes hier anwesend. Am 21. August d. J. machte ich mit den Kindern einen Ausflug nach Georgsdorf. Die Zahl der schulpflichtigen Kinder betrug Ostern 1908  83.

Mit dem 1. April d. J. trat das neue Volksschulunterhaltungsgesetz in Kraft. Nach demselben gehören zum Schulverbande Lage die Einwohner von Lage sowie deutsch Brecklenkamp. Die Kolonate Boerwinkel und Kalverlage gehören von an nach Grasdorf. Die Kinder vom Kolonate Bocht können gastweise in Lage verbleiben. Die Zahl der schulpflichtigen Kinder betrug 1907   84, im Jahre 1910 sank sie auf 76 herab. Zu Ostern waren hier 75 Kinder schulpflichtig.

Im Sommer 1911 herrschte eine große, anhaltende Dürre. Es fehlte hier an Trinkwasser; man holte es aus der Umflut und von der Neustadt. Die Dinkel war bis auf einige kleine Stellen ganz ausgetrocknet.

Zu Beginn des Schuljahres 1912 waren hier 72 schulpflichtige Kinder. Die Zahl der schulpflichtigen Kinder am Anfang des Schuljahres 1913 betrug 68.

(Anmerkung: Von nun an wird die Schulchronik von Lehrer Ludwig Sager fortgesetzt.)