Schulchronik von Lage - 1930 bis 1945

von Lehrer Heinrich Kip

Ostern 1930 - Lehrerwechsel

Herr Lehrer Sager wurde zum 1. April als Hauptlehrer nach Neuenhaus versetzt. Gemeinde und Schule sehen Herrn Sager, der hier 17 Jahre erfolgreich tätig gewesen ist, sehr ungern scheiden. Als äußeres Zeichen der Dankbarkeit und als Andenken an seinen langjährigen Wirkungsort wurde ihm von der Gemeinde eine goldene Kette und Uhr mit Widmung geschenkt. Zum 1. April wurde mir, dem Lehrer Kip aus Nordhorn, gebürtig aus Uelsen, hier eine Stelle auftragsweise übertragen.

Schülerzahl: Neu aufgenommen wurden Ostern 1930 10 Kinder und zwar 7 Mädchen und 3 Knaben, so dass 75 Kinder (38 Knaben und 37 Mädchen) die Schule besuchen.

2. Schulzimmer: Von Ostern bis zum 1. Oktober d. J. wurde der Schule vom Kirchenrat der Konfirmandensaal als Unterrichtsraum zur Verfügung gestellt. Die Bänke des Konfirmandensaals sind hinten in der Schule untergebracht und durch überzählige Schulbänke ersetzt worden. Wenn durch diesen 2. Unterrichtsraum der Stundenplan auch so aufgestellt werden konnte, dass alle 3 Abteilungen ausschließlich getrennten Vormittagsunterricht haben, so darf es sich im Interesse der Kinder nur um eine Notlösung handeln. Auf die Dauer ist der Raum vollständig ungeeignet. Außerdem fehlen sowohl Aborte als auch ein Spielplatz.

Besetzung der. 1. Stelle: Zum 1. Juni wurde die 1. Lehrerstelle einstweilig durch den Lehrer Kip besetzt.

Räumung des Rheinlandes: Am 30. Januar wurde die letzte Zone des seit Kriegsende besetzten Rheinlandes von der fremden Besatzung geräumt. Anlässlich der Befreiung fiel der Unterricht am 1. Juli aus. In einer Schulfeier wurden die Kinder auf dies freudige Ereignis hingewiesen. Von 12 - 1 Uhr kündeten die Glocken, wie im ganzen Reich, auch in Lage die Befreiung des Rheinlandes.

Reichjugendwettkämpfe: 12. September Reichsjugendwettkämpfe gemeinsam mit den Schulen Halle und Hardingen auf dem Marsch, bei denen neben dem üblichen Dreikampf als Mannschaftskämpfe Tauziehen, Eilbotenlauf und Schlagballspiele ausgetragen wurden. Im September fand auch die ärztliche Untersuchung der Kinder durch den Herrn Kreisarzt statt.

In den Herbstferien fand eine Schulvorstandssitzung statt, in der über die Schulverhältnisse im kommenden Winter gesprochen werden sollte. Zu der Sitzung war auch Herr Schulrat Dr. Stuhlmacher eingeladen und erschienen. In der Sitzung teilte Herr Förster Bitter (mit), dass der Patron die Absicht hat, den mit der Gemeinde geschlossenen Vertrag zum 1. 4. 32 zu kündigen.

Dadurch kommt die Gemeinde in die unangenehme Lage, dann keine Schule mehr zu haben. Die Errichtung eines neuen zweiklassigen Schulhauses mit Lehrerwohnung ist nun nicht mehr zu umgehen. Ein diesbezüglicher Beschluss wurde einstimmig gefasst. Jedoch ist die Gemeinde nicht in der Lage, Geldmittel für den Bau zur Verfügung zu stellen. Die Regierung soll gebeten werden, das Geld für den geplanten Bau zu geben. Die Gemeinde erklärt sich bereit, den Platz zu stellen und die Spanndienste zu übernehmen.

Nachmittagsunterricht: Da der Kirchenrat der Schule den Konfirmandensaal nach dem 1. Oktober nicht wieder überlassen wollte, muss bei Schulbeginn die Mittelstufe wieder nachmittags unterrichtet werden. Das ist bei den weiten und teilweise schlechten Schulwegen ein unhaltbarer Zustand, da manche Kinder im Dunkeln an- bzw. nach Hause kommen. Im Interesse dieser Kinder muss für die baldige Beschaffung eines 2. Klassenraumes Sorge getragen werden.

Ausflug: Am 23. Oktober machte die Oberstufe einen Ausflug nach Emlichheim, wo die Kartoffelmehlfabrik besichtigt wurde. Die Mittelstufe machte eine Bahnfahrt nach Bentheim. Zum 1.Dezember wurde die 1. Lehrerstelle endgültig dem Lehrer Kip übertragen.

Weihnachtsfeier: Am 2. Weihnachtstage war die Weihnachtsfeier im Völkerschen Saal. Der Schützen- und der Kriegerverein hatten in diesem Jahre von Feiern in ihren Vereinen abgesehen. Beide Vereine hatten auch je 78 (achtundsiebzig) Mark zur Verfügung gestellt. Auch die Eltern der Kinder und Freunde der Schule hatten für die Bescherung reichliche Mittel zur Verfügung gestellt. Insgesamt mussten 165 Tüten mit Spielsachen, Kleidungsstücken, Süßigkeiten usw. gefüllt werden. Trotzdem war es uns möglich, noch etwa 30,- Mark, mit denen der Grundstock zu einer Schulbücherei gelegt werden sollte, übrig zu behalten.

Wie bereits erwähnt, war dies die einzige öffentliche Weihnachtsfeier. Sie war von der Schule angeregt und war als eine Ortsfeier gedacht. Die Schulkinder führten ein Weihnachtsspiel, "Die Zwergenpost" auf, das von bekannten Weihnachtsgedichten und -liedern umrahmt wurde. Da die sehr zahlreichen Teilnehmer nicht mit ihrem Beifall zurückhielten, ist wohl anzunehmen, dass auch im nächsten Jahre wieder eine gemeinsame Feier möglich ist.

Fortbildungsschule: Auch im verflossenen Winterhalbjahr war der Fortbildungsschulunterricht wie im Vorjahre besucht.

Ostern 1931

Entlassen wurden 4 Kinder und zwar 3 Knaben und 1 Mädchen: Friedrich Nyhuis, Bernd Hindrik Hofste, Johann Willering und Jenny Buitkamp. Neu aufgenommen sind: 7 Knaben und 3 Mädchen, so dass die Schülerzahl auf 76 gestiegen ist.

Ausflug: Am Freitag, dem 26. Juni machte die Oberstufe eine Tages - Radfahrt über Frenswegen und Nordhorn nach dem Gute Clausheide bei Nordhorn. In liebenswürdiger Weise wurde den Kindern Gelegenheit geboten, sich die großzügigen Gebäude und Stallungen anzusehen. Gleichzeitig sahen wir die 3.000köpfige Schafherde des Gutes, die gegenwärtig die größte Herde Deutschlands ist. Die geplante Rückfahrt über Denekamp musste wegen großer Hitze unterbleiben. Am gleichen Tage machte die Mittelstufe eine Fußtour nach Hesingen. Dieser Ausflug war in der Hauptsache in den Dienst der Heimatkunde gestellt und brachte manche Anregung. 

Steinfeier: Am 29. Juni fand anlässlich des 100. Todestages des Freiherrn von und zum Stein eine Schulfeier statt, in der auf die Bedeutung Steins hingewiesen wurde.

Während der Sommerferien machten die Oberstufe und einige Kinder der Mittelstufe, denen sich mehrere Erwachsene angeschlossen hatten, eine Radfahrt nach Delden (Holland). Bei diesem Ausflug hatten die Kinder Gelegenheit, die wunderbaren Gärten und den Park des Herrn Barons von Wassenaer zu besichtigen. In letzterem war die mehrere Hektar große Wiese mit der etwa 70köpfigen Hirschherde besonders sehenswert. Viel bestaunt wurden auch die Stallungen und die (...?) Geschirre und Wagen des Herrn Baron. Erwähnt werden muss auch die Besichtigung des Wasserturms, dessen Einrichtung und Bedeutung vom Wassermeister bereitwilligst erklärt wurde. Trotz des 50 km langen Weges, den die Kinder mit dem Rade zurückgelegt hatten, zeigten die Kinder keine Müdigkeit. Über den Wert einer solchen Fahrt Worte zu verlieren, dürfte sich erübrigen. 

Verfassungsfeier: Bei der diesjährigen Verfassungsfeier wurde besonders auf die Ähnlichkeit der Steinschen Reformen und unsere heutige Verfassung hingewiesen. 

Reichsjugendwettkämpfe: Der Anregung der Regierung, die Reichsjugendwettkämpfe auf den Verfassungstag zu legen, konnte wegen der Sommerferien nicht entsprochen werden. Sie fanden wie in den letzten Jahren ein paar Tage vor den Herbstferien statt. Die Schulen Halle, Hardingen und Lage versammelten sich zum Dreikampf auf dem Lager Marsch. Es ist erfreulich festzustellen, dass sich die Kämpfe von Jahr zu Jahr einer größeren Beliebtheit erfreuen, was sich besonders durch die größere Zahl der Zuschauer bemerkbar macht.

Kündigung des Patronats: Wie schon im vorigen Jahr durch Herrn Förster Bitter mitgeteilt wurde, hat der Herr Baron den Vergleich mit der Gemeinde Lage aus dem Jahre 1908 gekündigt (zum 1. 4. 32). Der Schulvorstand ist deshalb erneut mit der Regierung in Verbindung getreten zwecks Schulneubau. Da von Seiten der Regierung die Notwendigkeit eines Baues einerseits und die geringe Leistungsfähigkeit unsererseits anerkannt worden ist, hat sie sich entschlossen, außer dem Baudrittel auch einen größeren Zuschuss zu zahlen. Der Gemeindeausschuss hat beschlossen, den Restbetrag bis zu 10.000 M zu bewilligen. Jetzt wird's also bald losgehen. Im Oktober 1931 wurden die Erdarbeiten durch Architekt Lögters Gildehaus dem Bauunternehmer Brenner übertragen. Damit ist der Anfang gemacht. 

Weihnachtsfeier 1931: Eine gemeinsame Weihnachtsfeier wie im vorigen Jahr ließ sich in diesem Jahr nicht durchführen. Die Schulfeier fand in der Schule statt. Um genügend Platz für die Gäste und Kinder zu haben, wurden die Schulbänke zum Teil wieder herausgeschafft und kleine Bänke wieder hingeschafft. Im übrigen wickelte sich die Feier wie in früheren Jahren ab.

Ostern 1932

Entlassen wurden: Janna Lahuis, Nelly Bildermann, Frieda Nykamp, Dina Bergmann, Frieda Seggers, Jan Kemper, Johann Rotmann, 5 Mädchen und 2 Knaben. Zur Mittelschule Neuenhaus entlassen: Georg Bitter, Georg van der Veen. Neu aufgenommen: 5 Mädchen und 7 Knaben. Schülerzahl am 1. 4. 1932: 81 Kinder und zwar ... Knaben und ... Mädchen.

Das Schuljahr 1932/33

Am Montag, dem 11. April hatten wir Gelegenheit, den Darbietungen Worpsweder Künstler in der Turnhalle zu Neuenhaus beizuwohnen, wo den Kindern ein Schattenspiel (Hinnerk der Hahn) und ein Puppenspiel (Tischlein deck dich) gezeigt wurden. 

Fußwanderung: 14. Juni Wandertag: Über Hardingen gingen wir nach Uelsen an Wasser- und Windmühlen vorbei zum Wasserwerk. Anschließend wurde die Zick'sche (?) Ziegelei besichtigt. Rückmarsch über Gölenkamp - Lemke - Hardingen.

Radfahrt: Am Freitag, dem 10. Juli machten die Oberstufe und die oberen Jahrgänge der Mittelstufe eine Radtour über Uelsen nach Itterbeck, wo wir das Versickerungsgebiet der Itter aufsuchten und anschließend die Einsamkeit und Öde der Wanderdünen auf uns wirken ließen. Von dort fuhren wir zum Heidegut Wielen. Die verbildlichen Stallungen und Gebäude wurden besichtigt und bewundert. Rückfahrt über Wilsum, Uelsen. Die Fahrt, die auch mehrere Erwachsenen mitmachten, war von besonders schönem Wetter begünstigt und verlief, abgesehen von den üblichen Raddefekten, ohne Störungen.

Ausflug nach Bentheim: Am Mittwoch, dem 31. August machten wir mit einem großen Omnibus und einem Lieferwagen einen Ausflug nach Bentheim. Ziel war die Freilichtbühne. Hier wurde "Der Hirt von Neuenhaus" aufgeführt, dessen Verfasser, unser Heimatdichter und langjähriger Lehrer in Lage, Herr Hauptlehrer Sager in Neuenhaus ist. Auf dem Isterberg wurde Rast gemacht. Von dort ging's zum Kurhaus und -park und zur Burg und anschließend zur Freilichtbühne. Die Elternschaft steht diesen Ausflügen sehr wohlwollend gegenüber. An schulfreien Nachmittagen besuchten fast sämtliche Kinder der Oberstufe unter Leitung des Lehrers die Tonfilmvorführung "Ben Hur" und die Nikunv (?) (Niedersächsische - Kunstausstellung - Nordhorn).

Reichsjugendwettkämpfe: Am Dienstag, dem 13. September, versammelten sich die Lager, Hardinger und Haller Schulkinder auf der Lager Gemeindewiese zur Austragung der Reichjugendwettkämpfe. Außer den üblichen Einzelkämpfen waren Mannschaftskämpfe im Schlagball, Tauziehen und Stafettenlauf. Für die jüngsten Teilnehmer waren in diesem Jahre Mannschaftswettkämpfe im Sack- und Eierlaufen.

Schulbau - Verlegung der Herbstferien: Die Fertigstellung des Schulneubaus hat sich etwas verzögert. Um aber nach den Herbstferien in der neuen Schule unterrichten zu können, sind durch Beschluss des Schulvorstandes die Herbstferien eine Woche später gelegt. Trotzdem die Ferien 8 Tage später gelegt sind, kann die neue Schule noch nicht benutzt werden. Die Arbeiten sollen aber so gefördert werden, dass sie zum 1. November bezugsfertig ist. Die Wohnung ist bereits während der Ferien bezogen. 

Durch Schulvorstandsbeschluss ist der Tag der Einweihung der neuen Schule auf Donnerstag, den 3. November, festgelegt. Dazu sollen neben der gesamten Gemeinde eingeladen werden der Regierungspräsident, der Landrat, die Regierung Abt. II, der Schulrat, der Baron van Heeckeren, Regierungsrat Wegmann, der Kreisbaumeister, der Pastor als Vertreter der Kirchengemeinde, der Kreisrat, Lehrer Götker und Hauptlehrer Sager und Bauunternehmer Brenner. Die Ausarbeitung des Programms für diesen Tag ist einer Kommission übertragen. (van der Kamp, van der Veen, Wedekämper, Kip).

In mehreren Sitzungen wurde folgendes beschlossen: Die Schule wird von den Schulkindern geschmückt. Außerdem soll der Ehrenbogen, der beim Einzug des Lehrers in die neue Wohnung aufgestellt war, benutzt werden.

Um 3 Uhr versammeln sich die Gemeinde und die geladenen Gäste (der Schulvorstand im Zylinder) bei der alten Schule. Dort soll von der alten Schule Abschied genommen werden und zwar:

1. Gesangverein: Brüder reicht die Hand zum Bunde

2. Lehrer Kip nimmt in kurzen Worten Abschied

3. Gemeinsamer Gesang: Unsern Ausgang segne Gott

Danach geht alles zur neuen Schule. Dort übergibt der Architekt den Schlüssel an Herrn van der Kamp, der die Erschienenen begrüßt und besonders den Herren der Regierung für die tatkräftige Hilfe und finanzielle Unterstützung dankt. Dann soll die Besichtigung der Schule erfolgen, die durch den Gesang des Liedes "Füllt mit Schalle jubelnd die Halle" eingeleitet wird. Im Anschluss an die Besichtigung soll den geladenen Gästen Gelegenheit gegeben werden, ein paar Worte an die Versammelten zu richten. Nach der Feier sollen die geladenen auswärtigen Gäste mit dem Schulvorstand und der Baukommission bei Gastwirt Schrader mit Kaffee und Kuchen bewirtet werden. Falls die Gäste länger bleiben, soll auch noch Bier gereicht werden. Die Gemeindemitglieder begeben sich zum Wirt Lavarre, bei dem 1 Fass Bier und 2 l Schnaps bestellt werden sollen. Die Kinder bekommen ein Stück Kuchen gereicht. Ein Fackelzug soll die Feier beschließen. nach dem Fackelzug wird auf Kosten der Gemeinde bei Wirt Völkers ein Fass Bier und 2 l Schnaps ausgeschenkt.

(Anmerkung: Dann folgt eingeklebt ein Bericht der Neuenhauser "Zeitung und Anzeigenblatt")

Diesem Bericht der Neuenhauser Zeitung über die Schuleinweihung ist nur noch ergänzend hinzuzufügen, dass von den geladenen Gästen der Regierungspräsident Dr. Sonnenschein, die Regierung Abt. II., der Regierungsbaurat Wegmann, der Kreisbaumeister Rust und der Baron van Wassenaer der Einladung wegen dringender Amtsgeschäfte bez. Krankheit leider keine Folge leisten konnten.

Die ganze Gemeinde hat lebhaften Anteil genommen. Es war ein fest aller Gemeindemitglieder, keiner ging seiner gewohnten Beschäftigung nach. Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass auch die katholischen Einwohner geschlossen an der Feier teilnahmen. Am Freitag, dem 4. November wurde zum ersten Mal in der neuen Schule unterrichtet. Der Stundenplan ist so aufgestellt, dass Herr Wedekämper in den ersten drei Stunden die Mittelstufe und die beiden letzten Stunden in der Oberstufe unterrichtet, während Lehrer Kip erst 3 Stunden die Oberstufe und die beiden letzten Stunden die Unterstufe unterrichtet.

Am Donnerstag, dem 24. 11. untersuchte der Kreisarzt die Schulkinder. Der Befund war im Allgemeinen günstig. Vielleicht darf nicht unerwähnt bleiben, dass festgestellt wurde, dass die zur Entlassung kommenden Knaben alle bei normaler Proportion die Größe des nächst niedrigen Jahrgangs haben. Auf Anordnung fanden die diesjährigen Reichsjugendwettkämpfe am 23. Juni, dem Tage der Jugend statt. Da der Termin erst kurze Zeit vorher bekannt war, mussten wir auf die sonst so beliebten Mannschaftswettkämpfe verzichten.

(Anmerkung: Es folgt ein Artikel über den Abschluss der Dinkelregulierung aus der Neuenhauser "Zeitung und Anzeigenblatt" vom 19. 7. 1934. Offenbar fehlen einige Eintragungen über das Ende des Schuljahres, besonders auch über die Zeit der nationalsozialistischen "Machtergreifung". Die folgenden Seiten über die Jahre 1933 bis 1945 wurden nach dem Ende des Krieges aus der Chronik entfernt und durch überwiegend statistische Angaben über Schülerzahlen etc. ersetzt. Die entfernten Seiten wurden von Lehrer Kip jedoch im Jahre 1963 wieder eingefügt, "weil ich der Ansicht bin, dass die Blätter manches enthalten, was in späteren Jahren Interesse haben dürfte.".)

... Holzstoß (als Freudenfeuer) verbrannt. Die alte schwarz-rot-goldene Schulfahne wurde dabei verbrannt, als Symbol, dass nun der Geist von Weimar endgültig vernichtet ist.

Ostern 1933

Entlassen wurden: Zwenna Tübbergen, Frieda Verwold, Geesken Brookhuis, Harmina Bonke, Stina Vor, Gerhard Weßelmann, Lukas Küper, Bernd Hofste, Heinz Hoedt - 5 Mädchen, 4 Knaben. Neu aufgenommen 7 Knaben, 7 Mädchen, so dass die Schülerzahl zu Beginn des Schuljahres 86 beträgt.

Durch Erlass des Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung wurden die Osterferien bis zum 1. Mai verlängert. Da der 1. Mai ein Feiertag ist, ist der 1. Schultag der 2. Mai. Am Geburtstage unseres Volkskanzler Adolf Hitler versammelten sich die Schulkinder in der Schule, um der Schulfunkübertragung anlässlich dieses Tages beizuwohnen.

Maifeier

Auf Veranlassung der Reichsregierung ist der 1. Mai als "Tag der nationalen Einheit" zum gesetzlichen Feiertag gemacht worden. Überall im deutschen Lande fanden aus diesem Anlass würdige Feiern statt. Da wollte auch unsere Gemeinde nicht zurückstehen. Das ganze Dorf war mit frischem Grün geschmückt. Einen derartigen Flaggenschmuck wie an diesem Tage hatte die Gemeinde noch nicht. Kein Haus, an dem nicht eine schwarz-weiß-rote Fahne oder Hakenkreuzfahne, oder beide zusammen, flatterten.

Morgens um 1/2 9 Uhr versammelten sich die Schulkinder (mit Fähnchen), die SA, der Krieger- und der Schützenverein bei der Schule, um in der Schraderschen Gastwirtschaft der Rundfunkübertragung aus dem Lustgarten beizuwohnen. Anschließend begab sich alles zum Busch zum Feldgottesdienst. Nachmittags um 3 Uhr versammelte sich die ganze Gemeinde in der Milchweide zum Durchzug durchs Dorf. Die Kinder der Oberstufe mit geschmückten Rädern bildeten die Spitze. Nach dem Durchzug war gemütliches Beisammensein in der Schraderschen Gastwirtschaft. Abends um 8 Uhr hörte das ganze Dorf die Übertragung vom Tempelhofer Feld mit der großen Rede des Führer Adolf Hitler. Anschließend wurde ein Feuerwerk abgebrannt.

Am Mittwoch, dem 5. Juli machten die Kinder der Ober- und Mittelstufe mit 2 Omnibussen einen Ausflug nach Gildehaus und Bentheim (Aufführung Wilhelm Tell). Am Dienstag, dem 22. August Untersuchung der Kinder des 1., 3., 5. und 8. Jahrgangs im Gesundheitsamt in Nordhorn. Am 2. September Wandertag: Radtour nach Enschede. Dort wurde dem Museum ein Besuch abgestattet und die wundervolle Parkanlagen besichtigt. Im Kringerhuis (S. A. Heim) fanden Kinder und Lehrer freundliche Aufnahme. 

Die diesjährigen Reichjugendwettkämpfe fanden wieder auf dem Lager Marsch statt. 9. 9. Die Lager Schüler konnten wieder manchen Sieg erringen. Auch in diesem Jahr glaubten Lehrer und Schüler auf eine Weihnachtsfeier in der Schule nicht verzichten zu können. Da aber zugunsten der Winterhilfe jegliche Sammlungen verboten waren, musste von einer Kinderbescherung abgesehen werden. Sonst fand die Feier in hergebrachter Weise statt.

Anlässlich der Reichsgründungsfeier fiel der Unterricht am 18. Januar aus.

Ostern 1934

Es wurden entlassen: Aleida Moomann; Gesine Lübbers, Rika Bergmann, Leida Rottmann, Johann Meurer, Johann Engbers, Zwier Engbers, Gerhard Bonke, Johann Gülink, Gerhard Nyhuis. Zur Mittelschule entlassen: 1 Mädchen. Aufgenommen wurden 5 Knaben und 5 Mädchen, so dass die Schülerzahl zu Beginn des Schuljahres 82 beträgt.

Am 8. Juni konnte ein von Lehrern und Schülern lange gehegter Wunsch in Erfüllung gehen: Ausflug nach Münster. Mit einem großen Omnibus der Bentheimer Eisenbahn fuhren wir gegen 7 Uhr hier ab und kamen gegen 10 Uhr in Münster an. Rathaus und Friedenssaal, Lambertikirche mit den Wiedertäuferkäfigen wurden besichtigt. Ein Gang durch "Alt-Münster" schloss sich an. Kurz vor 12 Uhr kamen wir zum Dom, um die kunstvolle astronomische Uhr in Augenschein zu nehmen und das Innere des herrlichen Gotteshauses auf uns wirken zu lassen.

Nach der Mittagspause gingen wir durch die Hauptverkehrsstraßen zum Bahnhof. Hier wurde allen Kindern klar, wie notwendig es ist, die Verkehrsvorschriften genauestens zu beachten. Anschließend ging's aber die Promenaden zum Schloss, das besichtigt wurde. Für den botanischen Garten hatten die Kinder wenig Interesse. Stundenlang hielten wir uns im zoologischen Garten auf. Wir schieden von ihm in der Gewissheit, dass der Besuch die Arbeit vieler Natur- und Erdkundestunden vertieft und erweitert hat. Gegen 7 Uhr traten wir die Rückfahrt an, die gegen 1/2 10 Uhr beendet war. Zusammenfassend muss gesagt werden, dass dieser Ausflug den Kindern eine Fülle neuer Eindrücke vermittelte und mancher unklare Begriff zu einem lebendigen Bilde gestaltet wurde.

(Anmerkung: Damit endet der 2. Band der Chronik).

Am 1. 1. 1935 wurde Herr Lehrer Wedekämper, der hier seit Ostern 1929 recht segensreich gearbeitet hatte, auf seinen eigenen Wunsch nach Holte (Post Bissendorf) bei Osnabrück versetzt. Kinder, Elternschaft und der Kollege sahen ihn nur schweren Herzens scheiden und bedauerten allgemein seinen Fortgang sehr. Zu seinem Nachfolger beauftragte die Regierung den Lehrer Franz Grebenstein aus Osnabrück, gebürtig aus Eschwege bei Cassel. Er beabsichtigt nicht, die von Herrn Wedekämper gemietete Wohnung in Lage zu beziehen, sondern er hat eine Wohnung in Neuenhaus genommen, was ihm von der vorgesetzten Behörde genehmigt ist.

Ostern 1935

Ostern 1935 wurden 8 Knaben und 2 Mädchen aus der Schule entlassen und ein Schüler gastweise der katholischen Volksschule überwiesen. Das ist seit mehreren Jahren der 1. Schüler, jedoch ist in den nächsten Jahren mit einer Erhöhung der katholischen Gastschulkinder zu rechnen. Aufgenommen wurden 4 Mädchen und 8 Knaben. Die Schülerzahl betrug damit zu Beginn des Schuljahres 84.

Im Monat März erkrankten viele Kinder der Unter- und Mittelstufe an Keuchhusten. Besonders trat er unter den Kindern der beiden untersten Jahrgänge auf. Auf Anordnung des Kreisarztes wurde diese Schule deshalb vom 16. bis 23. März geschlossen.

Im vergangenen Sommer herrschte infolge langer Trockenheit verbunden mit den abschließenden Regulierungsarbeiten im ganzen Dorfe ziemlicher Wassermangel. Nur an ein paar Stellen standen Wassertümpel im Flussbett der Dinkel. Da dieses für die Ernährung nicht zu benutzen war, gaben die Leute, die der Schulwasserversorgung angeschlossen sind, auf Wunsch gegen eine Entschädigung, die in ihre Gemeinschaftskasse floss, Wasser ab. Am 28. 8. machten Kinder der Ober- und Mittelstufe mit einem Omnibus einen Ausflug nach Bentheim, bei dem u. a. die Aufführung der Räuber auf der Freilichtbühne angesehen wurde.

Bei der Volksabstimmung vom 29. 3. 1936, zu der der Führer aufgerufen hatte‚ waren von den gesamten Stimmberechtigten der  Gemeinde Lage nur 3 nicht erschienen, weil sie wegen Krankheit nicht kommen konnten. Es wurden nur gültige auf "Ja" lautende Stimmen abgegeben. (Anmerkung: Offiziell handelte es sich um Reichstagswahlen, zu der jedoch nur noch eine Einheitsliste der NSDAP zugelassen war).

Ostern 1936

Ostern 1936 wurden 7 Knaben und 3 Mädchen aus der Schule entlassen. Aufgenommen wurden 15 Kinder in den untersten und ein Kind im 2. Jahrgang (Überweisung aus dem Kinderheim). Die Kinderzahl beträgt somit zum 1. 4. 87 Kinder.

HJ-Fahne: Da sämtliche Kinder der  oberen Jahrgänge in der Hitler-Jugend sind, ist der Schule unter Datum vom 2. März 1936 vom Bann 148 der H.J. (Emsland) das Recht zum Hissen der Hj.-Fahne verliehen. Diese wurde am letzten Tage des Schuljahres zum ersten Mal feierlich gehisst.

Am 1. Mai wurde wie in den Vorjahren für die Kinder der oberen 6 Jahrgänge ein Gemeinschaftsempfang der Jugendkundgebung am Lustgarten durchgeführt. Der Herr Regierungspräsident stellte der hiesigen Schule zur Anschaffung von "Lehr- und Anschauungsmitteln 300,- Mark zur Verfügung, die für diesen Zweck auch verbraucht wurden.

Am 18. September machten die Kinder der Ober und einige der Mittelstufe einen Omnibusausflug nach Osnabrück. Worte über den Wert solcher Ausflüge zu verlieren, hieße Eulen nach Athen tragen.

Ostern 1937

Im Laufe des verflossenen Schuljahres wurden für das 2. und für das 5. und 6. Schuljahr neue Lehrbücher eingeführt. Ostern wurden 5 Mädchen und 5 Knaben entlassen, neu eingeschult sind 6 Knaben und 1 Mädchen. Zu Beginn des Schuljahres beträgt die Schülerzahl 83 Kinder.

Zum Geburtstag des Führers wurden sämtliche Kinder des Jahrgangs 1927 der H. J. eingegliedert. Im vergangenen Jahr wurde der Schule ein kleines Zipfelchen Ackerland auf dem "Goorkamp" ganz in der Nähe des Transformators als Schulgarten zur Verfügung gestellt. Wenn auch die Lage des Grundstücks für einen Schulgarten recht ungünstig ist, so hat sich andererseits doch der große Wert eines (Gartens) für die Gemeinschaftsbeziehung gezeigt. Deshalb soll, sobald der "Talgraben" fertig ist, ein Stück des Grundstücks hinter dem Lehrergarten als Schulgarten zur Verfügung gestellt werden. Gleichzeitig soll dann auch der Schulplatz vergrößert werden.

Bei dem jetzigen Schulgarten handelt es sich also nur um eine Notlösung. Deshalb sollen auch keine größeren Ausgaben für Einfriedung, Anpflanzungen usw. gemacht werden. Andererseits erwies sich des Stückchen Land als Schulgarten zu klein. Nach einigen Verhandlungen mit dem Pastor und dem Vertreter des Eigentümers war es uns möglich, ihn zu vergrößern. Das neue Stück erwies sich aber dermaßen verunkrautet, dass wir es erst nur mit Kartoffeln bepflanzen konnten.

An Ausflügen unternahmen die Mittel- und Oberstufe u. a. auch einen per Bahn nach Bentheim und Schüttorf. In Schüttorf lockte uns neben der Besichtigung der Stadt vor allem die Gauausstellung der N.S.V. (Anmerkung: Nationalsozialistische Volkswohlfahrt, die nach dem Verbot der Arbeiterwohlfahrt das Rote Kreuz, die Diakonie und die Caritas zurückdrängte). Während die Oberstufe die Freilichtbühne besuchte, besichtigte die Mittelstufe die Sehenswürdigkeiten der Stadt Bentheim. 

An der diesjährigen Brombeersammlung zugunsten des NSV beteiligte sich die hiesige Schule mit recht gutem Erfolge, konnten doch bei der NSV = Küche Neuenhaus 100 Pfund Brombeeren abgeliefert werden. 

Nachdem den Schulen Hardingen, Halle und Lage gemeinsam ein Filmgerät zur Verfügung gestellt ist, erwies sich die Anschaffung einer Verdunklungseinrichtung als dringend notwendig. Diese ist von der Firma Lohmann, Lingen, geliefert und zur vollen Zufriedenheit angebracht.

Nach den Herbstferien wurden für die Mittelstufe (3. und 4. Jahrgang!) neue Lehrbücher angeschafft, die aus dem Schulfonds bezahlt werden konnten.

Die Kartoffeln des Schulgartens (70 Pfund Speisekartoffeln) sind dem WHW (Winterhilfswerk) gespendet. Außerdem ernteten wir noch etwa 2 Zentner Futterkartoffeln. Diese sind verkauft und der Erlös (4 RM) ist ebenfalls dem WHW überwiesen.

Im Herbst dieses Jahres traten in der hiesigen Gemeinde die Masern recht stark auf, so dass zunächst die unteren 4 Jahrgänge vom 16. bis 25. November geschlossen wurden. Diese Maßnahme konnte aber eine Weiterverbreitung nicht verhindern, deshalb musste die gesamte Schule vom 20. - 29. 11. geschlossen werden. Fast sämtliche Kinder der Gemeinde waren erkrankt, so dass selbst die ältesten Eingesessenen sich nicht entsinnen konnten, dass die Masern jemals derart verbreitet aufgetreten waren.

Am ... wurde hier erstmalig ein Schulgemeinschaftsabend durchgeführt, der den Eltern einen Einblick in die Arbeit und Aufgabe der Schule des 3. Reiches geben sollte. Die Klasse der Oberstufe war für diesen Abend würdig hergerichtet. Nach der Begrüßung durch den Lehrer Kip gab dieser einen kurzen Überblick über Ziel und Aufgabe der Schule im 3. Reich. Dann wechselten Lied- und Gedichtvorträge in bunter Folge einander ab. Zum Schluss des Abends wurde den Eltern und Kindern ein paar Schulfilme vorgeführt. Dabei wurde den Eltern klar, dass es sich nicht um eine Unterhaltung, sondern um ein wichtiges Lernmittel handelt. Dieser erste Versuch eines Schulgemeinschaftsabend kann als durchaus geglückt bezeichnet werden.

Ostern 1938

Ostern 1938 wurden aus der Schule 3 Knaben und 6 Mädchen entlassen. Auf Anregung des NSLB (Anmerkung: Nationalsozialistischer Lehrerbund) wurde eine Entlassungsfeier veranstaltet, zu der außer dem politischen Leiter der Bürgermeister, die Führung des Jungvolks und der Jungmädel, der Schulvorsteher und der Schulbeirat, die Jugendwalter und die Eltern der Kinder eingeladen worden waren. 1 Kind ging ab zur Aufbauschule Nordhorn und eines zur Schule nach Neuenhaus (Aufbauschule). 9 Kinder wurden neu aufgenommen. 1 Kind wurde von der ehemaligen katholischen Schule Neuenhaus zurück überwiesen. Die Kinderzahl beträgt am 1. 4. 1938 81 Kinder.

Als am 13. März des Jahres der Führer den unterdrückten Volksgenossen in Österreich die Freiheit und Heimkehr ins Reich brachte, da ging auch durch unser sonst so stilles Dorf ein Jubel der Begeisterung wie man ihn bisher nicht für möglich gehalten hatte. Auch bei uns erfüllte die Einwohner, wie im gesamten Reich, der Bekenntniswille zum Großdeutschland unseres Führers. Das zeigte sich auch bei dem historischen 10. April, bei dem sich rund 50 Millionen Deutsche durch ihr "Ja" hinter den Führer stellten. Zum ersten Male war es möglich, sämtliche Wahlberechtigte an die Urne zu bringen, von denen sich 261 zum Führer bekannten, während 8 ganze Wahlberechtigte durch ihre Stimmabgabe ihrer wahrscheinlich persönlichen Verärgerung glaubten Luft machen zu müssen. (Anmerkung: Am 10. April 1938 wurde eine Abstimmung zur "Wahl" des „Großdeutschen Reichstag“ durchgeführt. Die Abstimmung war eine kombinierte Wahl und Volksabstimmung zur Annexion Österreichs. Für beide gab es nur einen Stimmzettel. Für die Reichstagswahlen waren nur Kandidaten der NSDAP in Form einer Einheitsliste zugelassen.)

Mit dem Beginn des neuen Schuljahres wurden auch die katholischen Kinder, die bislang vom 3. Schuljahr ab die katholische Volksschule in Neuenhaus besuchten, hier wieder eingeschult. Somit ist auch hier ab 1. 4. 1938 die Gemeinschaftsschule eingeführt. Der Religionsunterricht, der dadurch nicht abgeschafft wird, wird an einem Nachmittage von einem katholischen Lehrer in Neuenhaus erteilt.

Trinkwassernot: Durch die Regulierung der Dinkel einerseits und durch den Neubau von Fabriken in Holland andererseits, die ihre Abwässer in die Dinkel leiteten, war es nicht mehr möglich, das Wasser der Dinkel zu benutzen. Wenn auch seitens der Behörde schon lange vor dem Gebrauch des Dinkelwassers für menschliche Nahrungszwecke gewarnt war, so hatten doch viele Anlieger dieses Wasser immer noch benutzt. Das ist jetzt vorbei, es riecht stark nach Karbol, Lysol usw. und führt häufig eine fettige Schicht. Kartoffeln, die in dem Wasser gekocht werden, sollen muffig schmecken.

Da die Brunnen auf der "Bahne" nicht in der Lage sind, während der Sommermonate genügend Trinkwasser zu liefern, entschloss man sich, den Versuch zu machen, durch Bohrungen eine Wasserader zu erschließen, die genügend gutes Wasser liefert, um die ganze Gemeinde damit zu versorgen. Der Brunnenbauer Wulfink, Uelsen, der mit der Bohrung beauftragt wurde, hat auf dem Goorkamp eine erfolgreiche Bohrung durchgeführt. Das Wasser ist untersucht und in jeder Weise als einwandfrei bezeichnet.

Im Laufe dieses Sommer wurden wieder mehrere Schulausflüge und -wanderungen durchgeführt u. a. Omnibusfahrten nach Münster und Bentheim und eine Radfahrt ins Hochmoor nach Georgsdorf.

Ergänzungszuschuss: Außer den laufenden Ergänzungszuschüssen für den Schuletat (in diesem Jahre mehr als eintausendzweihundert Reichmark) wurde dem Schulverbande ein einmaliger Zuschuss als Beihilfe für die Beschaffung eines Lehrmittelschrankes, einer Nähmaschine und eines Strick- und Webrahmens in Höhe von 150,- RM = 50 % des Anschaffungspreises zur Verfügung gestellt.

Im Herbst dieses Jahres wurde mit Unterstützung der Staatlichen Büchereistelle und des Kreises hier eine Volksbücherei eingerichtet, in der zunächst über 100 Bände unentgeltlich ausgeliehen werden können. Der Bücherschrank ist in der Schule aufgestellt worden. Alljährlich werden der Staatlichen Büchereistelle aus der Gemeindekasse je Einwohner 0,20 RM, das sind rund 100,- RM überwiesen, die restlos für die Anschaffung neuer Bücher verwendet werden können. Zum Leiter der Volksbücherei wurde Lehrer Kip ernannt.

Im verflossenen Frühjahr wurde hinter dem Lehrergarten eine Gemeindewiese im Gemeindedienst umgebrochen, die zum Teil als Schulgarten und zum Teil als Lehrergarten gebraucht werden soll. In diesem Sommer ist hier Flachs angebaut, der von den Kindern der Oberstufe in Gemeinschaftsarbeit betreut ist. Außer dem stolzen Gefühl der praktischen Mitarbeit am Vierjahresplan, der so häufig im Mittelpunkt des Unterrichts steht, außer der praktischen Erlernung des Flachsgebrauchs und dem Wert der Gemeinschaftsarbeit hatte der Anbau für die Kinder auch einen nicht zu unterschätzenden klingenden Vorteil. Als Erlös wurde der Schule 25,00 Mark für einen Schulausflug ausbezahlt. Ferner hatten die Kinder der Oberstufe unter Anleitung des Lehrers Schachtelhalm gesucht, getrocknet und an die Schule in Schüttorf abgeschickt. Als Entschädigung wurde uns 7,68 RM überwiesen, so dass uns hier das kommende Jahr 32,68 RM für Ausflüge zur Verfügung stehen.

Maisaktion: Außer den erwähnten Heilkräutern und Flachsanbau beteiligten sich die Kinder sonst rege an der praktischen Mitarbeit am Vierjahresplan. Fast 2 1/2 Zentner Mais, der zum Teil im Schulgarten, zum Teil von den Kindern (...?) war, konnte dem EHW Nordhorn zur Verfügung gestellt werden.

Eichelsammlung: Die in diesem Jahr so reichliche Eichelernte veranlasste uns, Eicheln zu sammeln, damit sie nicht umkämen, sondern für Mastzwecke verwendet werden können. Mehr als 15 (fünfzehn) Zentner wurden von den eifrigen Kinderhänden zusammengetragen und an das EHW weitergeleitet. Diese übersandte uns dafür 7,50 RM. Da wir aber mit der Sammelaktion an der Durchführung des Vierjahresplans mithelfen wollten und andererseits bei der Sammlung für die vom Führer heimgeführten Sudetendeutschen nicht zurückstehen wollten, spendeten wir den Betrag für die Sudetenhilfe.

An dieser Stelle sei auch lobend der Opferfreudigkeit der Gemeinde gedacht, als es galt, die Not der Sudetendeutschen, die jahrelang der Willkürherrschaft der Tschechen ausgeliefert waren, zu lindern. Ganze Berge an Kleidungsstücken wurden bei der Gemeindeschwester zusammengetragen, um einmal ihre Verbundenheit mit den schwer geprüften Brüdern und Schwestern zum Ausdruck zu bringen und gleichzeitig einen kleinen Teil der Dankesschuld an unsern Führer abzutragen.

Schülerwettbewerb: An dem vom Lehrerbund ausgeschriebenen Wettbewerb: Volksgemeinschaft - Schicksalsgemeinschaft beteiligte sich die hiesige Oberstufe mit mehreren Arbeiten, die auch bei der Kreisausstellung in der Walter - Flex - Schule in Nordhorn gezeigt wurden.

Talgraben: Im Berichtsjahr wurde ein Teilabschnitt des "Talgrabens" und zwar der obere Teil von Halle bis zum "Wah" fertig gestellt.

Ostern 1939 wurden aus der hiesigen Schule 3 Mädchen und 5 Knaben nach Ableistung der Schulpflicht entlassen. Einer dieser Knaben hat sich freiwillig für das Landjahr gemeldet! Außerdem wurden je ein Schüler zur Mittel- und Aufbauschule entlassen. Neu aufgenommen wurden 4 Knaben und 5 Mädchen. Die Schülerzahl beträgt am 1. 4. 1939 somit 78 Kinder und zwar 41 Knaben und 37 Mädchen.

Sichtvermerk Schulrat Schweers am 19. Februar 1940

Schuljahr 1939/40

Zu Beginn des Schuljahres betrug die Kinderzahl 78 und zwar 41 Knaben und 37 Mädchen.

Im Laufe des Sommers wurden wieder Heilkräuter gesammelt und zwar 11 kg Schachtelhalm, 1 kg Kamillenblüten, 600 gr. Fliederblüten, die der Reichsarbeitsgemeinschaft für Heilpflanzenkunde und Heilpflanzen Beschaffung Münster i. W. übersandt sind und für die uns 3,24 RM überwiesen wurden, so dass uns 35,92 RM zur Verfügung stehen. Diese sollten uns als Fahrtenzuschuss für 2 Ausflüge nach Bentheim zur Freilichtbühne und Osnabrück dienen.

Die Ausflüge konnten aber nicht durchgeführt werden, da Ende August der Grenzschutz eingezogen wurde und die Übergriffe der Polen gegenüber den Volksdeutschen immer unerträglicher wurden. Nachdem sie die bekannten Vorschläge des Führers brüsk abgewiesen hatte und mit Kanonen und Grenzverletzungen beantwortet hatten, sah sich der Führer genötigt, Gewalt mit Gewalt zu vergelten. So kam es zum Krieg, in dem durch die einmaligen Leistungen unserer Wehrmacht die polnische Armee in einem Feldzuge von 21 Tagen vernichtet wurde.

Aus unserer Gemeinde dienten aktiv bei Ausbruch des Krieges Albert und Lambert Engbers, Bern Hindrik Hofte, Bernd Brookhuis, Hindrik Aalert und Friedrich Nyhuis, von denen die drei letzteren am Polenfeldzug teilnahmen.

Der Ausbruch des Krieges hatte zur Folge, dass der Grenzschutz eingesetzt wurde, auch eine ganze Anzahl (10) Männer aus Lage wurden dabei eingesetzt. Mehrere Pferde mussten abgeliefert werden (Klifmann, Toenhake, v. d. Kamp, Gerritzen, Lahuis und Hofste.) Während des Winters mussten größere Mengen Heu und Hafer für Heereszwecke bereit gestellt werden.

Um eine geregelte und gerechte Verteilung der wichtigsten Lebensmittel zu gewährleisten, wurden Lebensmittelkarten eingeführt, die, um jegliches Hamstern zu verhindern, schlagartig im ganzen Reiche ausgegeben wurden. Die wichtigsten Textilwaren durften nur noch gegen Bezugsschein abgegeben werden, doch wurden bald Kleiderkarten ausgegeben. Die Ausgabe der Karten erfolgte zunächst im Parteihaus, später in der Schule.

Zu Beginn des Krieges wurden alle geeigneten Keller zu behelfsmäßigen Luftschutzräumen eingerichtet und die Leute auf die einzelnen Keller so verteilt, dass im geschlossenen Ortsteil jeder bei einem Fliegerangriff einen Schutzraum aufsuchen konnte. Zum Glück brauchte im Berichtsjahr kein Gebrauch davon gemacht werden. 

Der Winter war im Berichtsjahr außergewöhnlich land und streng. Sämtliche Schifffahrtswege waren fest zugefroren, so dass sämtliche Güter mit der Bahn befördert werden mussten. Das wirkte sich natürlich auf die Kohlenbeförderung unangenehm aus. Dazu kam noch, dass infolge der grimmigen Kälte der Verbrauch enorm gestiegen war. Da hieß es dann, mit den vorhandenen Vorräten sorgsam umzugehen. Kohlenferien hat unsere Schule aber nicht machen brauchen.

Im Laufe des Monats März bekam die Gemeinde Einquartierung und zwar Mann und Pferde. Die Unterbringung der Pferde machte einige Schwierigkeiten, da auf der Neustadt und in Brecklenkamp wegen der Nähe der holländischen Grenze keine gestallt werden durften. Die Soldaten wurden liebevoll aufgenommen und betreut. Nach ihrem Abzug zeugte noch mancher Brief von dem herzlichen Einvernehmen zwischen den Soldaten und der Lager Bevölkerung.

In dem nunmehr verflossenen Kriegswinter hat die Gemeinde ihre Opferbereitschaft erneut unter Beweis gestellt. Die Sammlungen ergaben für unsere Gemeinde ansehnliche Betrag von 2006,- RM. 

Trotz des Krieges wurde mit der Pflasterung der Straße Lage - Nordhorn begonnen. Damit ist der Beginn mit einer Verbindungsstraße gemacht worden, die von einem großen Teil der Bevölkerung sehnlichst erwartete wurde und die für die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde noch nicht zu übersehende Fortschritte bieten wird.

Auf schulischem Gebiet brachte der Krieg auch Änderungen und neue Aufgaben. Zunächst fiel der Unterricht wegen des Kriegsausbruches 8 Tage aus. Dann musste Herr Grebenstein den zur Wehrmacht einberufenen Lehrer Rotmann in Gölenkamp vertreten. Er musste 5 Tage in Gölenkamp und einen Tag in Lage unterrichten. Dadurch war es nötig, dass der Unterricht gekürzt werden musste. Am Montag hatten alle 3 Abteilungen normalen Unterricht. Am Dienstag, vormittags, hatte die Oberstufe 5 und die Unterstufe nachmittags 2 Stunden Unterricht. Mittwochs und freitags hatten Mittel- und Unterstufe je 4 bzw. 3 Stunden, während donnerstags und sonnabends die Oberstufe je 5 Stunden Unterricht hatten. Dabei möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass Herr Grebenstein, der in Hilten wohnt, infolge des langen, harten und schweren Winters gewaltige Strapazen überstehen musste, um seiner Vertretung zu genügen.

Um den gewaltigen Mehrverbrauch im Reiche zu decken, wurde durch Ministererlass angeordnet, dass in allen Schulen Seidenraupenzucht betrieben werden muss. 500 Maulbeerpflanzen wurden an mehreren Stellen in der Gemeinde gepflanzt. Leider ist nur ein ganz geringer Teil von ihnen angegangen, so dass hier die Zucht vorläufig nicht durchgeführt werden kann.

Ostern 1940 wurden 3 Knaben und 3 Mädchen aus der Schule entlassen. 3 Knaben besuchen die Aufbau- und ein Mädchen die Mittelschule in Neuenhaus. Neu aufgenommen wurden ... Knaben und ... Mädchen. Im Berichtsjahr wurde dem Schulverbande für Anschaffung von Lehrmitteln und Ausbesserungsarbeiten und Anschaffungen für Schule und Lehrerwohnung von insgesamt bis zu 1300 Reichsmark eine Zuschuss bis zu 800 RM (60 %) gewährt, für die u. a. ein Bildwerfer und für die Wohnung ein Elektroherd angeschafft wurden. Aus kriegsbedingten Gründen konnte die Kreisbildstelle den Bildwerfer nicht mehr liefern. Das Geld wurde zurück überwiesen und auf ein Konto bei der Genossenschaftsbank eingezahlt.

Schuljahr 1940/41

Zum 1. April wurden 9 Knaben und 3 Mädchen neu aufgenommen. Die Schülerzahl betrug damit zu Beginn des Schuljahres ... und zwar ... Knaben und Mädchen. (Anmerkung: Die Zahlen fehlen).

Herr Lehrer Grebenstein, der seit dem 1. 1. 1935 an der hiesigen Schule tätig gewesen war, wurde zum 1. April an die Mittelschule Nordhorn versetzt. Die Stelle wurde zum 1. 5. 40 mit Herrn Friedrich Kemper, der zuletzt in Holt und Haar auftragsweise angestellt war, wieder besetzt. Herr Kemper ist gebürtig aus Osnabrück. Zur Zeit ist er als Unteroffizier bei der Wehrmacht. Er konnte deshalb seine Stelle nicht antreten und es musste ein neuer Stundenplan aufgestellt werden, der auf Vorschlag des Herrn Schulrats vorsieht, dass jede Abteilung jeden Tag Unterricht hat. Die Oberstufe hat jeden Tag vier, die Mittelstufe drei und die Unterstufe 2 Stunden. In der 4. Stunde sind alle Kinder anwesend. Da aber nicht alle in einem Raum Platz haben, müssen sie in beiden Klassenzimmern verteilt werden. Das ist zwar ein erheblicher Nachteil, muss aber mit Rücksicht auf die derzeitigen Verhältnisse in Kauf genommen werden.

Während der Sommerferien benutzte Herr Lehrer Kemper einen Urlaub, um seinen demnächstigen Wirkungskreis und Mitarbeiter kennen zu lernen. Im Berichtsjahr wurden die neuen Rechenbücher für das 7. und 8. Schuljahr eingeführt. Wegen Erkrankung zahlreicher Kinder an Grippe wurde die Schule auf Anordnung des Kreisarztes vom 5. - 12.  2. 41 geschlossen. Für den Außenanstrich der Schule, Schulgarteneinfriedung, Fiesen in Badezimmer und Küche der Lehrerwohnung und einige Lehrmittel ( u. a. Tellarium) bekam die Gemeinde einen einmaligen Ergänzungszuschuss.

Auf Anordnung des Herrn Reichserziehungsministers ist der Schuljahresbeginn auf den Herbst verlegt worden. Die Schulneulinge werden nach den Sommerferien eingeschult. Die Kinder, die ihrer Schulpflicht genügt haben, werden noch zum 1. April entlassen. In diesem Jahr waren es 3 Knaben und 2 Mädchen. 

Am 23. Juni 1941 starb an den Folgen einer Operation unser Schulrat, Herr Schweer. Mit ihm ist ein warmherziger Förderer des Schulwesens und ein aufrichtiger Freund der Lehrerschaft dahin gegangen. Auch die hiesige Schule verdankt seiner Fürsorge manchen Zuschuss. Mit der vertretungsweisen Wahrnehmung der Geschäfte wurde Herr Schulrat i. R. Valentin, Osnabrück, betraut.

Im Laufe dieses verlängerten Schuljahres hat auch die Schuljugend nach Kräften zur Erringung des Sieges beigetragen. Nicht nur, dass die Kinder der oberen Jahrgänge infolge des Arbeitsmangels, bei den Arbeiten in der Landwirtschaft bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit mitgeholfen haben, sondern auch durch die Schule haben sie in den beiden letzten Sommern unter Führung ihres Lehrers mustergültig den Kartoffelkäfer - Suchdienst jede Woche einen Nachmittag durchgeführt. Außerdem wurde und wird durch ihre nimmermüden Hände viel Altmaterial bei der Schule zusammengetragen. Von hier wurden die gesammelten Lumpen, die Knochen, das Alteisen und das Altpapier der zuständigen Stelle zugeführt.

Ferner wurden von den Schulkindern große Mengen Heil- und Teekräuter gesammelt. Der Erfolg der hiesigen Schule sowie des ganzen Kreises war in beiden Sommern derart durchschlagend, dass die von den andern Organisationen zusammengetragenen Mengen an Tee und Früchten in keinem Verhältnis stehen, zu dem, was die Schulkinder geleistet haben. Der Erlös vom Sommer 1940 ist auf ein Konto der Genossenschaftsbank eingezahlt, während die endgültige Abrechnung und die Bezahlung für 1941 noch aussteht.

Auf die Kriegsereignisse im allgemeinen einzugehen, erübrigt sich wohl an dieser Stelle. Es sollen nur einige Tatsachen und Ereignisse festgehalten werden, die von lokalem Interesse sind.

Als nach der Besetzung Norwegens an der auch der hier im "Herrenhause" wohnhafte Korvettenkapitän Michael als Kommandant eines Schiffes mitgewirkt hat, der Krieg im Westen seinen Anfang nahm und unsere Truppen am 10. Mai in Holland einrückten, verließ auch "unsere Einquartierung" unsern Ort. Am Nachmittag des 9. 5. kam eine kleine Einheit in unser Dorf und biwakierte im Busch. Aber noch im Laufe der Nacht rückte sie wieder ab.

In der Frühe des 10. Mai brauste eine große Anzahl Flugzeuge (mindestens 100) über unser Dorf in Richtung Holland. Bis zum Mittag hörten wir dann immer wieder Detonationen von Brückensprengungen und sich immer mehr entfernenden Geschützdonner. Als nach dem nach 5 Tagen beendigten Feldzug gegen Holland auch die hier einquartiert gewesenen Soldaten für einen Tag nach hier zurückkamen, war die Freude der Bevölkerung groß.

An dem Feldzug gegen Frankreich nahmen auch eine Anzahl Söhne aus Lage teil, u, a, auch der Kriegsfreiwillige Georg Bitter, der mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde.

Außerdem wurde wie aus beiliegender Zeitungsnotiz hervorgeht, dem Leutnant Michael das Ritterkreuz verliehen, nachdem er im Wehmachtsbericht am 22. Juni 40 aufgeführt war.

Nachts flogen häufig englische Flugzeuge in großer Höhe unsern Ort. Sie warfen häufiger Flugzettel und im Sommer 41 auch ein Mal Brandplättchen ab, die aber keinen Schaden anrichteten. Flugzettel wurden von den Schulkindern gesammelt und dann abgeliefert. Ein einziges Brandplättchen wurde gefunden.

Im Sommer 1940 wurden in der Umgegend von Nordhorn und Denekamp in einer Nacht eine größere Anzahl Sprengbomben geworfen. Dies veranlassten den größten Teil des Dorfes, den Luftschutzraum aufzusuchen. Das ist bis jetzt glücklicherweise das einzige Mal, dass die Luftschutzräume aufgesucht wurden.

Da die Engländer bei ihren nächtlichen Einsätzen anscheinend die hiesige Gegend besonders häufig überflogen, wurden Anfang 1941 überall Scheinwerferstellungen aufgebaut. Auch in Lage auf dem Baukamp (bei Lieses Garten) standen ein Scheinwerfer und ein Horchgerät. Mehrere Male gelang es, einen "Tommy" zu fassen und unser Nachtjäger war dann bald zur Stelle und holte ihn herunter. In einer Nacht konnten von hier drei Abschüsse beobachtet werden. Gegen Ende dieses Schuljahres wurden die Stellungen verlegt. 

In beiden Sommern dieses Schuljahres wurde in der Gemeinde eine "Fliegerwache" eingerichtet. Zwei Männer mussten je nach der Länge der Nacht einige Stunden Wache halten, um bei eventuellen Fliegerangriffen mit dem Brandhorn Alarm geben zu können. Da kein Wachlokal zur Verfügung stand, schlief zum Winter diese Verhaltensmaßnahme ein.

Im Frühjahr 1941 traf die Nachricht ein, dass der Gefreite Gerhard Wesselmann, der auf der Reise von Norwegen noch hier zu einem längeren Erholungsurlaub war, in Schweden an einer Krankheit gestorben sei. Den schwer geprüften Großeltern bringt man allgemein Teilnahme entgegen.

Der Feldzug gegen Russland forderte auch aus unserer Gemeinde einige Opfer. Gleich am 22. Juni fiel der Gefreite Hindrik Aalert, der Sohn des Bauern Aalert aus dem Gemeindeteil Brecklenkamp. Er war der einzige Sohn, da ein älterer Bruder vor einiger Zeit verunglückt war. Ein harter Schlag für die Eltern und Verwandten!

Einige Wochen später starb sein Schulkamerad und Nachbar, der Gefreite Bernd Hindrik Brookhuis den Heldentod. Er wurde auch dem Friedhof in Dorpat beigesetzt. Für die Mutter, die schon jahrelang Witwe ist, bedeutet es einen herben Verlust. 

Zum Schlusse des diesjährigen Berichtes möchte ich der Hoffnung Ausdruck geben, dass dies die einzigen Opfer dieses gewaltigen Ringens bleiben und dass sich der Russe nach den gewaltigen Schlägen, die ihm von unsern tapferen Soldaten bereits versetzt wurden, dazu bequemt, die Waffen zu strecken.

Lage, im Herbst 1941                        H. Kip, Lehrer

Schuljahr 1941/42

In diesem Jahr wurden erstmalig die Kinder im Herbst aufgenommen. Zunächst bestanden noch Unklarheiten darüber, ob die Kinder zum 1. September nach den Sommerferien eingeschult werden müssen. Es ist aber entschieden, dass das Schuljahr nach den Sommerferien beginnt.

Neu aufgenommen wurden 15 Kinder und zwar 6 Knaben und 9 Mädchen. Die Schülerzahl betrug zu Beginn des Schuljahres 79 Kinder, und zwar 41 Knaben und 37 Mädchen.

Gleich nach den Herbstferien bekam Herr Lehrer Kemper von der Wehrmacht einen Prüfungsurlaub, um die Möglichkeit zu haben, seine 2. Prüfung ablegen zu können. Aber nur einen einzigen Tag konnte er hier unterrichten, da er zur Vertretung an den Schulen Wielen und Ratzel beordert wurde. An der Schule in Wielen hat er dann seine 2. Lehrerprüfung gemacht. Kurze Zeit später ist er dann in Russland gefallen. Nun blieb die 2. Stelle einige Monate unbesetzt, bis sie zum 1. 6. 1942 aus dienstlichen Gründen mit dem Lehrer Timmer, bislang Hoogstede beschäftigt, auftragsweise besetzt wurde. Lehrer Timmer ist Grafschafter, er ist in Uelsen geboren und aufgewachsen. Lehrer Timmer wurde bald vom Herrn Regierungspräsidenten angestellt. Seine Stelle konnte er bislang noch nicht antreten, da er als Soldat in Russland ist.

Ostern 1942 wurden 5 Mädchen und 3 Knaben entlassen. Im Berichtsjahr haben die Schulkinder wieder eifrig Heil- und Teekräuter gesammelt. Für den Sommer 41 wurden jetzt die Gelder (71,25 RM) ausbezahlt. Sie wurden zu dem Geld bei der Genossenschaftsbank gebracht. Zu Beginn des neuen Schuljahres soll dafür ein Ausflug nach Bentheim gemacht werden.

Leider hat auch im Berichtsjahr der Krieg wieder harte Opfer gefordert. Ihren höchsten Einsatz mussten wieder mehrere Eingesessene bringen. Als erste in diesem Schuljahr bekam die Familie van der Veen-Liese die Trauerbotschaft, dass ihr Sohn Georg bei dem Sturm auf Kiew gefallen sei. In dem harten Winter 41/42 wurde der Bauunternehmer Dietrich van den Bosch durch einen Bauchschuss schwer verwundet. Er starb in einem Feldlazarett und hinterlässt eine Frau. Für seine Eltern ist der Tod um so tragischer, als ein 2. Sohn, Karl, ihm kurze Zeit später im Heldentod folgte. Karl van den Bosch, der Frau und Kind hinterlässt, wohnte seit einigen Jahren in Nordhorn.

Kurze Zeit später opferte der Tischlermeister Johann Gerritzen, ein Lager Junge, sein Leben. Er hatte in Nordhorn ein Geschäft und hinterließ eine Frau mit 2 Kindern, zu denen bald nach seinem Tode noch ein Zwillingspaar hinzukam.

Im Sommer 1942 bekam die Familie Oldegeerts die Nachricht, dass ihr jüngster Sohn Friedrich im Kaukasus durch Kopfschuss den Heldentod fand. Sein einziger Bruder steht ebenfalls in Russland vorm Feind. Nur ein paar Wochen später starb Albert Engbers durch Kopfschuss den Soldatentod. Sein Vater war an Folgen des vorigen Weltkriegs gestorben. Sein Bruder Johann war schon gleich zu Beginn des Krieges verwundet und im vergangenen Winter waren ihm, kaum zum 2. Mal an der Front, beide Füße erfroren, die eine Amputation des einen Beines und des zweiten halben Fußes erforderlich machte. Das sind schwere Opfer, die eine einzige Familie bringen muss. Albert Engbers hinterlässt eine junge Frau.

Allen Hinterbliebenen bringt die Gemeinde herzliche Teilnahme entgegen und wenn die Gedächtnispredigten waren, vermochte unsere kleine Kirche die Besucher kaum alle zu fassen.

Im Berichtsjahre wurden verwundet Georg Bitter, Jan Steggewentz, Heinz Hoedt, Gerhard Silder, Johann Engbers und B. H. Moomann.

Lage im Herbst 1942                        H. Kip, Lehrer

N.B. Das Eiserne Kreuz erhielten: Heinz Hoedt, 2. Klasse und Georg Bitter, 2. und 1. Klasse.

Schuljahr 1942/43

Mit dem Beginn des neuen Schuljahres ist die Hauptschule eingerichtet. In ihr sollen begabte Kinder, die 4 Jahre die Volksschule besucht haben, eingeschult werden. Solange nicht genügend Lehrkräfte und Schulräume zur Verfügung stehen, ist der Besuch noch freiwillig. In Zukunft soll aber der Besuchszwang eingeführt werden. Die Kinder von Lage müssen die Hauptschule in Neuenhaus besuchen. Die unterste Klasse der Mittelschule geht ein, dafür wird die Hauptschulklasse eingerichtet, so dass nach einigen Jahren die Hauptschule voll ausgebaut ist. Ob die Hauptschulpflicht mit 14 Lebensjahren endet und die 2 letzten Klassen als Mittelschule weitergeführt werden, ist noch nicht endgültig geklärt. Die Hauptschule sollen nur die begabtesten Kinder besuchen, etwa ein Drittel des betreffenden Jahrgangs. In diesem Jahre gehen 3 Kinder von Lage hin, von denen 2 allerdings die Aufnahmeprüfung für die Mittelschule gemacht hatten. Neu aufgenommen wurden 9 Kinder, und zwar 7 Mädchen und 2 Knaben, so dass die Schülerzahl zu Beginn des Schuljahres 77 betrug, sie stieg aber im Laufe des Jahres auf 80 Kinder.

Auf Vorschlag des Herrn Schulrats wurde folgende Stundenverteilung vorgenommen. Die Oberstufe hat 3 Tage von 8 - 12 und 3 Tage von 8 - 11 Uhr Unterricht, die Mittelstufe hat täglich 3 Stunden, entweder von 8 - 11 oder von 9 - 12, während die Unterstufe täglich von 11 bis 1 Uhr unterrichtet wird, davon eine Stunde gemeinsam entweder mit der Ober- oder mit der Unterstufe.

Ostern 1943 wurden 4 Mädchen und 8 Knaben entlassen und zwar Henny van den Bosch, Änne Holle, Hanny Braakmann, Johanna Averes, Albert Knief, Karl Zwafink, Albert Engbers, Bernd Lahuis, Gerhard van Aalste und Johann Gerligs. Ein Schüler, Georg Hoedt, machte freiwillig ein 9. Schuljahr. Im Berichtjahr wurden von den Schülern wieder eifrig Heilkräuter gesammelt. Die Gelder für im Vorjahr gesammelte wurden ganz (177,65 RM) auf das für diese und ähnliche angelegte Konto bei der Genossenschaftsbank eingezahlt. Um den Sammeleifer des Vorjahres zu belohnen, wurde zu Beginn des Berichtsjahres 1942 für das Geld ein Ausflug mit dem Zuge nach Bentheim gemacht.

                                                                                            H. Kip

Anmerkung: Nun folgt nachträglich erstellte Eintragungen ab Ostern 1933, durch die zeitweise die in den Jahren seit 1933 wirklich erfolgten Eintragungen ersetzt wurden. Politisch "unbedenkliche" Teile der bisherigen Chronik werden wiederholt.

Ostern 1933

Entlassen wurden Zwenna Tübbergen, Stina Vos, Frida Verwold, Geesken brookhuis, Hermine Bonke, Gerhard Wesselmann, Lukas Küper, Bernd Hofste, Heinz Hoedt, also 5 Mädchen und 4 Knaben. Zur Mittelschule entlassen 1 Mädchen. neu aufgenommen 7 Knaben, 7 Mädchen, mithin beträgt die Schülerzahl zu Beginn des Schuljahres 86.

Ostern 1934

Es wurden entlassen Aleida Moomann, Gesina Lübbers, Rika Borgmann, Leida Kottmann, Johanna Meurer, Johann Engbers, Zwier Engbers, Gerhard Bonke, Johann Gülink, Gerhard Nyhuis. Zur Mittelschule entlassen 1 Mädchen. Aufgenommen 5 Knaben und 5 Mädchen. Schülerzahl 86 Kinder.

Ostern 1935

Ostern 35 wurden 8 Knaben und 3 Mädchen entlassen und1 Schüler gastweise der kath. Volksschule Neuenhaus überwiesen. Neuaufnahmen: 8 Knaben und 4 Mädchen. Gesamtschülerzahl also zu Beginn des Schuljahres 84.

Ostern 1936

Aus der Schule entlassen: 7 Knaben und 3 Mädchen. Aufgenommen wurden 15 Kinder, 1 Überweisung aus dem Kinderheim, so dass die Schülerzahl 87 Kinder beträgt.

Lehrerwechsel 1935: Am 1. 1. 1935 wurde Herr Lehrer Wedekämper, der hier seit Ostern 1929 recht segensreich gearbeitet hatte, auf seinen eigenen Wunsch nach Holte (Post Bissendorf) bei Osnabrück versetzt. Kinder, Elternschaft und der Kollege sahen ihn nur schweren Herzens scheiden und bedauerten allgemein seinen Fortgang. Zu seinem Nachfolger beauftragte die Regierung den Lehrer Franz Grebenstein aus Osnabrück, gebürtig aus Eschwege bei Cassel. Er beabsichtigt nicht, die von Herrn Wedekämper gemietete Wohnung zu beziehen, sondern gedenkt in Neuenhaus zu wohnen.

Ostern 1937

Schulentlassungen Ostern 1937: 7 Knaben und 5 Mädchen. Neuaufnahmen: 6 Knaben und 1 Mädchen, das mit Hausnamen Knabe hieß. Zu Beginn des Schuljahres beträgt die Schülerzahl 83. Zu Beginn des Schuljahres wurde der Schule ein kleines Zipfelchen Ackerland auf dem Goorkamp ganz in der Nähe des Transformators als Schulgarten zur Verfügung gestellt. Die Lage ist für diesen Zweck ungünstig und es muss die Möglichkeit geschaffen werden, dafür ein Grundstück in der Nähe der Schule zu bekommen. Da in diesem Jahre den Schulen Halle, Hardingen und Lage gemeinsam ein Filmgerät zur Verfügung gestellt ist, erwies sich die Anschaffung einer Verdunkelungsanlage als dringend notwendig. Sie wurde von der Firma Bosmann, Lage, geliefert.

Ostern 1938

Ostern 38 wurden aus der Schule 5 Knaben und 6 Mädchen entlassen. 1 Kind ging nach der Oberschule und 1 nach der Mittelschule. 9 Kinder wurden neu aufgenommen. Ein katholisches Kind wurde aus der katholischen Schule Neuenhaus nach hier zurück überwiesen. Die Schülerzahl beträgt 81.

Durch die Regulierung der Dinkel einerseits und durch den Neubau von Fabriken in Holland andererseits, die ihre Abwässer in die Dinkel leiteten, war es nicht mehr möglich, das Wasser der Dinkel zu benutzen. Wenn auch seitens der Behörde schon lange vor dem Gebrauch des Dinkelwassers für menschliche Nahrungszwecke gewarnt war, so hatten doch viele Anlieger dieses Wasser immer noch benutzt. Das ist jetzt vorbei, es riecht nach Karbol, Lysol usw. und führt häufig eine fettige Schicht. Kartoffeln, die in dem Wasser gekocht werden, sollen muffig schmecken.

Da die Brunnen auf der "Bahne" nicht in der Lage sind, während der Sommermonate genügend Trinkwasser zu liefern, entschloss man sich, den Versuch zu machen, durch Bohrungen eine Wasserader zu erschließen, die genügend gutes Wasser liefert, um die ganze Gemeinde damit zu versorgen. Der Brunnenbauer Wulfink, Uelsen, der mit der Bohrung beauftragt wurde, hat auf dem Goorkamp eine erfolgreiche Bohrung durchgeführt. Das Wasser ist untersucht und in jeder Weise als einwandfrei bezeichnet.

Im Herbst dieses Jahres wurde mit Unterstützung der Staatlichen Büchereistelle und des Kreises hier eine Volksbücherei eingerichtet. Im Berichtsjahr wurde ein Teilabschnitt des Talgrabens, der obere Teil von Halle bis zum "Wah" fertig gestellt.

Ostern 1939

Ostern 1939 wurden 3 Mädchen und 5 Knaben entlassen, außerdem wurden je ein Schüler der Mittel und Aufbauschule überwiesen. Neu aufgenommen wurden 4 Knaben und 5 Mädchen. Die Schülerzahl beträgt am 1. 4. 39 somit 78 Kinder und zwar 41 Knaben und 37 Mädchen.

Herr Lehrer Grebenstein musste ab 1. 9. 39 den zur Wehrmacht einberufenen Lehrer in Gölenkamp 5 Tage vertreten.

Ostern 1940

Ostern 1940 wurden 3 Knaben und 3 Mädchen aus der Schule entlassen. 3 Knaben besuchen die Aufbau- und ein Mädchen die Mittelschule in Neuenhaus. Neu aufgenommen wurden ... Knaben und ... Mädchen. Im Berichtsjahr wurde dem Schulverbande für Anschaffung von Lehrmitteln und Ausbesserungsarbeiten und Anschaffungen für Schule und Lehrerwohnung von insgesamt bis zu 1300 Reichsmark eine Zuschuss bis zu 800 RM (60 %) gewährt, für die u. a. ein Bildwerfer und für die Wohnung ein Elektroherd angeschafft wurden. Aus kriegsbedingten Gründen konnte die Kreisbildstelle den Bildwerfer nicht mehr liefern. Das Geld wurde zurück überwiesen und auf ein Konto bei der Genossenschaftsbank eingezahlt.

Schuljahr 1940/41

Zum 1. April wurden Ostern 1940 wurden 3 Knaben und 3 Mädchen aus der Schule entlassen und 9 Knaben und 3 Mädchen neu aufgenommen. Die Schülerzahl betrug damit zu Beginn des Schuljahres also 83 Kinder.

Herr Lehrer Grebenstein, der seit dem 1. 1. 1935 an der hiesigen Schule tätig war, wurde zum 1. April 40 an die Mittelschule Nordhorn versetzt. Die hiesige 2. Stelle wurde zum 1. 5. 40 mit dem Schulamtsbewerber Herrn Friedrich Kemper, der zuletzt auftragsweise in Holt und Haar angestellt war, wieder besetzt.  Er konnte aber, da er eingezogen war, seinen Dienst nicht antreten.

Auf Anordnung des Herrn Reichserziehungsministers ist der Schuljahresbeginn auf den Herbst verlegt worden. Die Schulneulinge werden nach den Sommerferien eingeschult. Die Kinder, die ihrer Schulpflicht genügt haben, werden noch bis Ostern 48 zu Ostern entlassen. 

Im Laufe des Jahres 1940 wurde die Pflasterung der Straße Lage - Grasdorf beendet, mit der man im Laufe des Jahres 1939 begonnen hatte.

Im Jahre 1940 bekam die Gemeinde für den Außenanstrich der Schule (Schulgarteneinfriedung, für Fliesen in Küche und Badezimmer der Lehrerwohnung und für einige Lehrmittel (u. a. Tellarium) einen größeren einmaligen Ergänzungszuschuss. Im Vorjahre wurde dem Schulverbande für Anschaffung von Lehrmitteln u. für Ausbesserungsarbeiten und Anschaffungen in der Dienstwohnung ein Zuschuss von 60 % (ca. 800 RM) gewährt, u. a. wurde für die Wohnung ein Elektroherd angeschafft.

Ostern 1941

Es wurden 3 Knaben und 2 Mädchen entlassen. Die Schülerzahl betrug deshalb bis zur Einschulung 64 Kinder. Nach den Sommerferien, nicht wie anfangs vermutet nach den Herbstferien, wurden 6 Knaben und 9 Mädchen eingeschult, damit stieg die Schülerzahl auf 79 Kinder (42 Knaben, 37 Mädchen).

Gleich nach den Herbstferien bekam Herr Lehrer Kemper von der Wehrmacht einen Prüfungsurlaub, um die Möglichkeit zu haben, seine 2. Prüfung ablegen zu können. Aber nur einen einzigen Tag konnte er hier unterrichten, da er die Vertretung an den Schulen Wielen und Ratzel übernehmen musste. An der Schule in Wielen hat er seine 2. Lehrerprüfung bestanden. Kurze Zeit später ist er dann in Russland gefallen. NDamit war die 2. Stelle unbesetzt. Zum 1. 6. 1942 wurde sie dem Lehrer Timmer, bislang Hoogstede beschäftigt, "aus dienstlichen Gründen" auftragsweise übertragen. Lehrer Timmer ist Grafschafter, er ist in Uelsen geboren und aufgewachsen. Bald wurde er vom Regierungspräsidenten angestellt. Seine Stelle konnte er bislang noch nicht antreten, da er als Soldat in Russland ist. Er hatte auch noch nicht Gelegenheit, seine neue Stelle anzusehen (kein Urlaub!). Seit Stalingrad ist er vermisst.

Ostern 1942

Ostern 1942 wurden 5 Mädchen und 3 Knaben entlassen. Schülerzahl bis zur Einschulung 70 Kinder! In den ersten beiden Kriegsjahren sind mehrere Eingesessene gefallen. Allen Hinterbliebenen bringt die Gemeinde herzliche Teilnahme entgegen. Wenn die Gedächtnispredigten waren, vermochte unsere kleine Kirche die Besucher kaum alle zu fassen.

Mit dem Beginn des neuen Schuljahres ist die Hauptschule eingerichtet. In ihr sollen begabte Kinder, die 4 Jahre die Volksschule besucht haben, eingeschult werden. Solange nicht genügend Lehrkräfte und Schulräume zur Verfügung stehen, ist der Besuch noch freiwillig. In Zukunft soll aber der Besuchszwang eingeführt werden. Die Kinder aus besuchen die Hauptschule in Neuenhaus. Ob die Hauptschulpflicht mit 14. Lebensjahre endet und die beiden letzten Klassen als Mittelschule weitergeführt werden, oder die Hauptschulpflicht bis zum 16. Lebensjahr weiter ausgedehnt wird, ist noch nicht endgültig entschieden. In diesem Jahre besuchen 3 Kinder von Lage die Hauptschule,, von denen allerdings noch 2 die Aufnahmeprüfung für die Mittelschule gemacht hatten. Neu aufgenommen wurden 7 Mädchen und 2 Knaben. Die Schülerzahl beträgt bei Schuljahresbeginn 77. Im Laufe des Jahres stieg sie auf 80 Kinder.

Nach folgender Stundenverteilung wurde unterrichtet: Die Oberstufe hat 3 Tage von 8 - 12 und 3 Tage von 8 - 11 Uhr Unterricht, die Mittelstufe hat täglich 3 Stunden, entweder von 8 - 11 oder von 9 - 12, während die Unterstufe täglich von 11 bis 1 Uhr unterrichtet wird, davon eine Stunde gemeinsam entweder mit der Ober- oder mit der Unterstufe.

Ostern 43 wurden 4 Mädchen und 6 Knaben entlassen. Im Laufe dieses Sommers mussten auch wieder wie in den vorhergehenden Kriegsjahren Heil- und Teekräuter gesammelt werden. Unsere Schule hat sich nach Kräften daran beteiligt.

Schuljahr 1943/44

Anmerkung: Ab diesem Schuljahr wird jedes Jahr nur einmal behandelt. Möglicherweise erfolgten die Eintragungen für das Schuljahr 43/44 folgende erst nach Ende des Krieges.

Im Herbst 1943 wurden 10 Kinder, 6 Mädchen und 4 Knaben aufgenommen. 2 Kinder bestanden die Aufnahmeprüfung für die Hauptschule. 

Im Laufe dieses Jahres machte sich der Krieg sich der Krieg auch in der Heimat immer schlimmer bemerkbar. Die Städte wurden immer heftiger bombardiert. Viele Frauen und Kinder wurden aus den Städten evakuiert. Viele Schüler wurden ganz in "Schullandheimen" untergebracht. Auch nach Lage wurden mehrere Frauen mit Kindern überwiesen, die fast alle aus Bremen kamen. Außerdem kamen Familien aus Großstädten zu Verwandten oder suchten sich privat Wohnungen zu beschaffen.

Viele holländische Arbeitskräfte wurden von den Landwirten eingestellt. Da die wehrfähigen deutschen Männer fast alle eingezogen waren, nahm man die zusätzlichen Arbeitskräfte gern auf. Sie boten sich den Leuten förmlich an, da sie sonst zwangsweise in der deutschen Rüstungsindustrie beschäftigt werden sollten. Aber die gute Verpflegung und Behandlung haben sie nur in den wenigsten Fällen mit gewissenhafter Arbeit belohnt.

Ostern 1944 wurden 6 Mädchen und 3 Jungen entlassen.

In diesem Jahre machte sich die Luftüberlegenheit der Engländer und Amerikaner noch mehr bemerkbar. Zu vielen Hunderten flogen die Flugzeuge über Lage wie zu einer Parade, nicht ein einziges deutsches stellte sich ihnen entgegen. Er wäre ein wunderbares Schaustück gewesen, wenn man nicht gleichzeitig an die zahllosen Menschen und Städte denken musste, die durch diese Flugzeuge bombardiert wurden und Not und Tod erleiden mussten. Auch in Nordhorn und in den kleinen Orten wie Neuenhaus, Uelsen, Veldhausen und Emlichheim wurde bei Herannahen der Geschwader mit der Sirene Fliegeralarm gegeben. Schon bei Voralarm wurden die Schüler nach Hause bzw. in Nordhorn in die Bunker geschickt. Erst nach der "Entwarnung" kamen sie wieder, wenn dann nicht schon die Unterrichtszeit um war. Wir haben in Lage allerdings nur ganz selten den Unterricht wegen der Flieger ausfallen lassen, denn nach meiner Ansicht bestand für die Kinder wegen der Tiefflieger mehr Gefahr auf dem Wege als in der Schule.

Seit der Landung der Alliierten in Frankreich wurde auch hier der "totale Krieg" immer spürbarer. In der Gegend von Gildehaus sollte eine Verteidigungslinie ausgebaut werden. Der inzwischen aufgestellte "Volkssturm" (alle männlichen Personen von 16 - 65 Jahren) wurde für jeweils 8 Tage nach dort beordert zum Schanzen. Sie wurden in Massenquartieren in Bauernhäusern und -scheunen untergebracht. Die Schulen Nordhorns und der Obergrafschaft wurden mit holländischen Zwangsarbeitern belegt, die auch an dieser Verteidigungsstellung arbeiten mussten. Die "Landwacht" (örtliche Polizei) musste die Bewachung übernehmen. Der Unterricht fiel seit Herbst 44 für die Kinder der Obergrafschafter Schulen aus.

An sämtlichen Straßen mussten zu beiden Seiten in 100 m Abstand so genannten Panzergräben gebaut werden. Es war ein rechtwinkliger Graben von ca. 1,50 m Tiefe und jeder Schenkel war etwa 2 m lang. Der Volkssturm musste auch diese Arbeiten ausführen. Lage baute vom Zollamt bis zu den weißen Steinen an der Neuenhauser Straße und an der Straße nach Grasdorf bis Zwafink. 

Herbst 44 wurden 8 Knaben und 4 Mädchen aufgenommen.

Der Volkssturm Lage, der mit Grasdorf zusammen eine Kompanie bildete, hielt seinen Unterricht in der Schule ab. Der Geländedienst war in Onste Bergen. Als die Front im Laufe des Winters immer mehr nach hier kam, mussten in allen Orten Panzersperren errichtet werden. Sie wurden aus Baumstämmen von mindestens 30 cm Durchmesser, die tief eingegraben wurden, gebaut. In Lage stand sie zwischen Völlink und Tubbergen in der Höhe von Braakmanns Haus. Die Zahl der Flieger und Einflüge nahm immer mehr zu. Besonders gefürchtet waren die Tiefflieger, die die Züge und Autos angriffen. Häufig konnten wir beobachten, wie sie in Neuenhaus und Grasdorf herunter stießen und Züge angriffen. Zugpersonal und Fahrgäste wurden dabei getötet oder verwundet. In den letzten Monaten des Krieges fuhren die Züge nur noch nachts.

Als im Herbst die Kämpfe sich u. a. auch im Aachener Gebiet abspielten, wurde das Gebiet von der Bevölkerung geräumt. 8 Familien kamen auch nach Lage, die hier (zwangsweise) untergebracht werden mussten. Mehrere Kinder besuchten die hiesige Volksschule.

Weihnachten 1944 wurde die Schule von einer Einheit deutscher Soldaten gebeten, an der Ausschmückung ihrer Weihnachtsfeier in Ootmarsum mitzuwirken. Etwa 20 Kinder und der Lehrer wurden mit einem Küchenwagen abgeholt und zunächst mit Kaffee und Kuchen bewirtet. Die Kinder sangen die bekanntesten Weihnachtslieder und trugen eine Anzahl schöner Weihnachtsgedichte vor. Reichlich beschenkt fuhren wir mit dem gleichen Fahrzeug wieder nach Lage mit dem schönen Gefühl, Familienvätern, die die Weihnachtstage fern von ihren Familien verleben mussten, eine Freude bereitet zu haben.

Ostern 1945

Ostern 1945 wurden 4 Knaben und 3 Mädchen entlassen.

"Einige Tage vor den Osterferien wurde der eine Klassenraum vom Militär beschlagnahmt. Ein Generalarzt mit seinem Stabe wurde in Lage stationiert. Die Klasse sollte als Revier dienen. Das Büro des Stabes wurde in der ehemaligen Lehrerwohnung untergebracht. In der Nacht von Montag zum Dienstag kamen sie und schon am Sonnabend derselben Woche rückten sie wieder ab. Schon in der Nacht von Sonnabend auf Ostern (Anmerkung: 1. April 1945) zogen die Reste unserer Truppen zurück. Am 2. Ostertage kamen dann die letzten Reste, ein geschlagener Haufen, ohne Waffen, mit allen nur denkbaren Fahrzeugen, Rollwagen, Ackerwagen, Fahrrädern mit und ohne Bereifung, zum Teil kamen auch einige mit Autos.

Auf der Neustadt an der Denekamperstraße wurde eins von einem verfolgenden Panzer beschossen. Dabei wurde der Fahrer, ein Italiener, verwundet. Er wurde von Gülink von der Neustadt ins Neuenhauser Krankenhaus gebracht, wo er an den Folgen der Verwundung starb. Bei der Schießerei war eine Roggendieme von Hofste in Brand geraten. Als die Neustädter versuchten, sie zu löschen, wurden sie von einem Tiefflieger beschossen, dabei wurde Hermann Engbers ganz leicht an der Schulter verwundet.

Die ersten alliierten Panzer erschienen am gleichen Tage auf der Neustadt. Sie kamen von der Denekamperstraße und fuhren auf der Straße Lage-Grasdorf bis zu den Zollhäusern. Vermutlich wollten sie die Straße Neuenhaus-Nordhorn beobachten.

Am Dienstag und Mittwoch ereignete sich nichts. Die Geschäfte in Neuenhaus verkauften frei Stoffe. Harger Neuenhaus belieferte die Geschäfte mit dem so begehrten Tabak, die Metzger gaben die eingelagerte Pökelware, vor allem Speck, pro Person 1 Pfund, ab. Am Donnerstagnachmittag erschienen dann die ersten Panzer vor dem Zollamt im Dorfe. Die Panzersperre im Dorf war schon am Dienstag von den Einwohnern schnellstens entfernt. Von nun an rollten täglich hunderte von Panzern und Automobilen in langen Reihen durchs Dorf. Die Straße vor der Schule war davon zerstört, die Pflastersteine lagen im Graben und auf dem Bürgersteig. Die Bewohner wurden in keiner Weise von den durchziehenden Truppen belästigt! Ende April ließen die Transporte sehr stark nach, und die Befürchtung der Leute, sie könnten am 1. Mai die Kühe nicht zur Viehweide treiben, waren somit gegenstandslos. 

Sperrgebiet

Gar bald kamen aber noch andere Sorgen. Entlang unserer gesamten Westgrenze wurde ein "Sperrgebiet", eine verbotene Zone, geschaffen. Für unsere Gemeinde waren die Gemeindeteile Neustadt und Brecklenkamp davon betroffen. Die Grenze des Sperrgebiets war von der Reichsgrenze bis zum Wah die Dinkel, vom Wah bis Kalverlagen Brücke die Umflut.

Das war eine recht unerfreuliche Maßnahme. Das gesamte Gebiet musste geräumt werden. Niemand wusste, wie lange dieser Zustand dauern sollte, wo sollten Leute, Vieh, Geräte und sonstige bewegliche Habe untergebracht werden? Dazu war die Räumungsfrist recht kurz bemessen. Sie wurde glücklicherweise noch um einige Tage verlängert, so dass es unter Mithilfe des gesamten Dorfes gelang, zum gesetzten Termin, dem 19. Mai 1945, dem Tage vor Pfingsten, alles aus dem Gebiet herauszuschaffen. Die Leute wurde zum größten Teil, wenn auch zum Teil sehr, sehr notdürftig untergebracht. Aber vielen von ihnen fehlte das kleinste Stückchen Land, um etwas Gemüse und Frühkartoffeln anzubauen. Da wurden dann in selbstloser Weise von den "Dorfleuten" Stückchen und Stücke zur Verfügung gestellt.

Holländische Soldaten, die im Herren-, im Forsthaus und in der Schule untergebracht waren, sorgten dafür, dass kein Zivilist das Gebiet betrat. Am 1. Juli rückten die Holländer ab und wurden durch Engländer abgelöst, die nun im Forsthause und im Herrenhaus Quartier nahmen. Die beiden Häuser mussten von den Bewohnern geräumt werden. Die holländischen Soldaten hatten u. a. aus der Schule, wo sie das Gerätezimmer erbrochen hatten, Hand-, Fuß- und Faustbälle, eine Stoppuhr, eine Goldwaage mit Gewichten, eine Wasserwaage u. a. mitgenommen.

Anfang Juli kamen 10 ehemalige deutsche Soldaten, die nicht in ihre Heimat entlassen werden konnten, weil sie östlich der Oder-Neiße wohnten, nach hier, um aus dem Sperrgebiet die Ernte einzubringen. 2 Tage durften sie in Lage, 2 in Grasdorf und 2 in Halle im Sperrgebiet arbeiten. Sie wurden in der Schule untergebracht. Ihre Verpflegung bekamen sie bei Einwohnern. Nach und nach wurden es immer weniger, da sie heimlich versuchten, in ihre Heimat zu kommen. 

Wiederbeginn des Unterrichts 

Anfang August kam die Aufforderung des Schulrates, die Schulen für den  Unterrichtsbeginn zu räumen. Die letzten 3 ehemaligen Soldaten kamen nun, da mehrere aus dem Gebiet um Aachen evakuierte Familien zurückgekehrt waren, in den Konfirmandensaal.

Am 29. August begann der Unterricht wieder für die unteren 4 Jahrgänge. Neu aufgenommen wurden alle Kinder, die bis zum 31. 12. das 6. Lebensjahr vollendeten, das waren 22 Kinder, und zwar 12 Knaben und 10 Mädchen. 

Durch die Räumung des Sperrgebiets waren auch mehrere Zollbeamtenfamilien aus Halle, Hesingen und Grasdorf in den hiesigen Zollwohnungen untergebracht. Die gesamte Schülerzahl (einschließlich der 4 oberen Jahrgänge) betrug zu Beginn des Unterrichts 109 Kinder.

Der Unterricht war sehr erschwert dadurch, dass die Kinder keinerlei Bücher und Hefte hatten. Unser Vorrat an Kreide, Federn und Heften war während der Belegung der Schule abhanden gekommen. Viele der Schulneulinge hatten weder Tafeln noch Hefte.

Am 1. Oktober konnten auch die oberen Jahrgänge wieder die Schule besuchen. Zu diesem Termin wurde die Schulhelferin, Frl. Schey aus Neuenhaus, an die hiesige Schule versetzt. Sie unterrichtete die Mittelstufe und anschließend 2 Stunden die Oberstufe. Kurz vor Weihnachten des gleichen Jahres erkrankte Frl. Schey ernstlich und konnte bis Ostern 46 nicht wieder unterrichten. Da ihr der Arzt dringend Luftveränderung empfohlen hatte, wurde sie zum 1. 4. 46 nach Gildehaus versetzt. Im Laufe des Winters konnten die Bewohner des Sperrgebiets wieder in ihre Wohnungen zurückkehren. Dadurch war es auch den Zollbeamtenfamilien möglich, wieder nach Halle und Hesingen zurückzukehren. Die Grasdorfer Zollhäuser blieben vorerst noch durch Polen belegt.

Im März 1946 wurde eine Befragung der Eltern durchgeführt, ob die Kinder eine Bekenntnis- oder eine Simultanschule besuchen sollten. Sämtliche Erziehungsberechtigte erhielten einen Fragebogen, auf dem sie ihre Wünsche äußern konnten. Hier sprach sich die überwiegende Mehrheit der Eltern für eine Bekenntnisschule aus.